Verfasst von: susiundchristoph | 4. März 2011

Zurück in Europa

Europa hat uns wieder und wir haben mit Lissabon einen sehr schönen Einstieg in das europäische Leben ausgesucht.

In Ushuaia machen wir nicht viel, uns erwischt die Müdigkeit mit dem Erreichen unseres südlichsten Punkts der Reise. Wir haben einfach zu nichts mehr Energie und auch kein sonderliches Interesse mehr, uns weitere, neue Sachen anzusehen. Von daher trifft es sich sehr gut, dass wir eine Unterkunft ganz für uns haben, die uns gut gefällt und wo wir unsere Ruhe haben können. Der Ausflug zu den Pinguinen wird ersatzlos gestrichen, der in den Nationalpark Tierra del Fuego ebenfalls, das einzige, was wir in Feuerland ansehen, ist Ushuaia selbst und das ist ziemlich schnell erledigt. Die Stadt ist nichts Besonderes, keine Sehenswürdigkeiten, nicht besonders schön, es ist die Lage als südlichste Stadt der Welt, die es hier für das Flair sorgt. Aber auch das reißt uns nach den vielen, vielen besonderen Eindrucken, gerade in den letzten Wochen, nicht wirklich vom Hocker.


Am sechsundzwanzigsten beginnt dann die Rückreise mit einem Flug nach Buenos Aires, wir bleiben diesmal nur eine Nacht und haben unsere beste Unterkunft vom Oktober schon lange vorher reserviert. Wir fliegen drei Stunden, legen in der Zeit über dreitausend Kilometer Richtung Norden zurück. Am nationalen Flughafen von Buenos Aires ist totales Chaos an der Gepäckausgabe, es kommen ziemlich schnell ein paar Gepäckstücke, aber halt nur ein paar, das ist es dann. Alle warten ziemlich lang und nach einiger Zeit erscheint auf der Anzeige unseres Transportbandes dann auch ein anderer Flug. Keiner weiß etwas, Durchsagen gibt es nicht. Die Leute sind gefasst und warten geduldig, ich murre etwas herum und sage, dass das in Indien aber besser läuft, Zustimmung von allen Umstehenden, die scheinen das zu kennen, ist vielleicht ganz normal. Buenos Aires, die Stadt, in der nichts funktioniert… Nach gut einer Stunde kommt dann doch das Gepäck, es ist mir schleierhaft, was daran so lange braucht. Egal, wir gehen raus, es ist mittlerweile schon nach elf Uhr abends und wollen ein Taxi zum Hostel nehmen. Das Chaos geht weiter, viel zu wenig Taxis für viel zu viele Leute, zumindest gibt es eine ordentlich aufgestellte Schlange, so dass das ganze zumindest von der Reihenfolge gerecht zugeht. Aber nicht lange, dann fühlt sich irgendein Sicherheitsfuzzi bemüßigt, die bis dahin ordentliche, aber lange Schlange neu aufzustellen. Leute von hinten werden nach vorne in eine neue Reihe geschickt, kommen teils wieder zurück, stellen sich in der ursprünglichen Schlange dafür vorne an, es werden sinnlose Schleifen zum anstehen auf den Bürgersteig drapiert, alles mit dem Ergebnis, dass aus der einen, geraden, langen Reihe diverses Geschnörksel wird, wo niemand mehr weiß, wer jetzt eigentlich vor wem war. Ich entschließe mich zur Anwendung der in so einem Fall idealen „indischen Taktik“ – hemmungsloses Gedrängel bis man schnell ganz vorne ist (netterweise verzichte ich auf Schubsen und Aufrücken bis engem Körperkontakt, was zwischen Bombay und Kalkutta nun auf jeden Fall zum Einsatz käme). Wir bekommen schlussendlich ein Taxi, bevor sich die Sicherheitsheiner die Ordnung noch mal ganz neu überlegen. Im Hostel geht auch alles klar, die Reservierung ist tatsächlich auch eine, wir trinken noch zwei Bier auf der Dachterrasse und gehen dann ins Bett.

Der nächste Tag, der nächste Flug. Morgens fahren wir zum internationalen Flughafen und brechen nach São Paulo in Brasilien auf. Alles sehr unspektakulär, pünktlich und problemlos. In der größten Stadt Brasiliens angekommen nehmen wir uns ein Taxi zum Hostel, das in einer guten Gegend liegt, in der es auch einige Restaurants gibt. Das Hostel ist einfach, aber mit sehr engagiertem, netten Personal, passt alles. Abends Essen gehen und früh ins Bett, wir sind müde. Nun haben wir noch fast einen ganzen Tag, um Sao Paulo anzusehen. Dachten wir. Tatsächlich stellt sich heraus, dass es durchaus angesagt ist, ein Taxi um vier Uhr nachmittags zu nehmen, wenn der Flug um elf Uhr abends geht. Wir sind etwas verwirrt, hatten für den Weg in die Stadt nur eine Stunde gebraucht. Aber wir werden auf den starken Regen nachmittags, den Berufsverkehr und Taxiknappheit hingewiesen. Ach ja, das Taxi sollte man morgens um zehn bestellen, wenn man es nachmittags um vier haben will. Zumindest wenn es um günstige, private Fahrer geht. São Paulo ist eine recht hässliche Stadt, wir sehen fast nur Hochhäuser, riesige Straßen, massiv viel Verkehr. Aber bei näherer Betrachtung ist es gar nicht so schlecht, wie sein Ruf. Die Jungs vom Hostel nennen uns nur ein Viertel, wo man sich nicht hin begeben sollte. Die Umgebung, in der wir sind, ist sicher und der Weg ins neue Geschäftszentrum ebenfalls. Das alte, historische Zentrum ist eben genau das, wo wir nicht hin gehen sollten. Wir laufen also etwas herum, die Atmosphäre ist nicht schlecht, aber aus meiner Sicht ist es keine Stadt, die man gesehen haben muss. Besser als gedacht, aber alles andere als hübsch. Kurz vor vier kommt das Taxi und wir kommen in einen Wolkenbruch allererster Güte – Regenzeit in Brasilien. Wir stehen auf den Autobahnen im Stau, aber sind doch recht früh, nach eineinhalb Stunden am Flughafen. Vermutlich sind wir so früh gefahren, damit wir den Stau nicht schon in der Stadt haben, denn dann könnte eventuell einige Zeit gar nichts gehen. Und am Tag zuvor waren wegen heftiger Regenfälle einige Autobahnen gesperrt. Besser so, als eine halbe Stunde zu spät kommen. Wobei das in unserem Fall auch nicht groß aufgefallen wäre, denn statt um zehn vor elf abends starten wir erst um viertel nach eins in der Nacht, fast kein einziger Flug geht an diesem Abend pünktlich raus, gut dass wir in Lissabon keinen Anschlussflug bekommen müssen.


Als wir in der portugiesischen Hauptstadt aus dem Flughafen kommen, riechen wir nun schon dritten Mal auf dieser Reise die Frühlingsluft. Es ist rund fünfzehn Grad und wunderbar sonnig. Wir schnappen uns den günstigen Bus vom Flughafen in die Stadt, alles funktioniert wunderbar, bloß auf das neue Geld müssen wir uns wieder neu einstellen. Welche Farbe hatte noch mal der Zwanzig-Euro-Schein? Sind das jetzt zwanzig oder fünfzig Cent in der Hand? Wir wenden die Münzen und gucken uns die Scheine an, als hätten wir zum ersten Mal Euro in der Hand, ist halt schon eine Weile her. Unsere Pension liegt sehr zentral am Rande der Baixa, der Unterstadt und ist schön und ruhig, uns reicht es jetzt erst mal mit Hostels. Morgens gibt es ein wahnwitziges Frühstück, das beste der ganzen Reise. Es stehen immer mindestens fünf verschiedene Kuchen auf dem Tisch, es gibt Toast, Wurst, Käse, Müsli, Corn Flakes in verschiedenen Ausführungen, Obst, alles da. Wir sehen uns einiges in der Stadt an, sind aber nicht jeden Tag lang unterwegs, weil wir uns erkältet haben. Die Stadt gefällt uns sehr, sehr gut, für mich nach wie vor die schönste und angenehmste Stadt, die ich kenne. Gutes Wetter, wunderschöne Ecken, viel Leben, Multikulti, nette Leute und wir wissen zu schätzen, dass alles funktioniert. Uns fällt auf, dass sehr viel renoviert und gebaut wird, überall sind Baustellen. Seit meinem letztem Besuch sind etliche Ecken deutlich aufgehübscht worden, aber zum Glück ist der Charakter der Stadt erhalten geblieben: Enge Straßen, schummrige Beleuchtung abends, schöne Häuser, verwinkelte Gassen, hübsches Pflaster auf den Gehwegen, Cafés überall, hübsche Plätze, die zum Verweilen einladen…


Tja, und morgen ist es dann so weit. Unsere Reise kommt zum Ende und wir steigen um 18:10 Uhr aus dem Flugzeug und haben dann wieder fränkischen Boden unter den Füßen. Wir sind gespannt, wer uns alles in Empfang nehmen wird und freuen uns schon auf unsere Freunde, Familien und Bekannten.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 24. Februar 2011

Zum Ende der Welt

Nun sitzen wir mal wieder, zum letzten Mal dieser Reise, in einem Bus, verlassen Patagonien und kommen auf der Insel Feuerland an. Wir überqueren die Magellanstraße und fahren zum „Ende der Welt“, so die werbewirksamen Ankündigungen, die wir seit Tagen um uns haben. Es hat etwas Gutes, dass wir unsere Reiseroute für Südamerika vor ein paar Monaten einfach umgedreht und auf den Kopf gestellt haben. Wir haben ein Ziel, ein Ende der Reise, das sich ausgerechnet auch noch „Fin del Mundo“ nennt. Von dort beginnt dann in drei Tagen die Rückreise nach Deutschland mit einem Zwischenstopp in Lissabon.

In El Chaltén waren wir noch zwei weitere Tage. Am zweiten Tag dort versuchen wir wieder unser Wetterglück, diesmal aber mit weniger Erfolg. Wir wandern zum Aussichtspunkt des Cerro Fitz Roy, aber sehen den Berg den ganzen Tag über in Wolken. An der Laguna Capri, einem schön gelegenen See ein ganzes Stück vom Berg entfernt, machen wir wieder kehrt, das Wetter zieht sich immer mehr zu, es könnte Regen und Sturm geben, das wollen wir in den Bergen nicht näher ausprobieren. Aber die kurze Tageswanderung gibt uns Gelegenheit, unsere neu erworbenen Wanderstöcke auszuprobieren. Das klappt ganz gut und vor allem bergab bekommen wir eine ganz neue Trittsicherheit, bei Anstiegen helfen die Teile auch enorm, weil man einige Kraft aus den Armen zu Hilfe nehmen kann, um sich hinauf zu drücken. Wir sind uns sicher, dass uns die Stöcke im Nationalpark Torres del Paine in den nächsten Tagen sehr gut helfen werden, denn dort werden wir mit Gepäck unterwegs sein. Als wir am Nachmittag in unsere kleine Wohnung zurück kehren, tritt das ein, was sich immer mehr andeutete, es beginnt zu regnen und wir machen Bekanntschaft mit den berüchtigten patagonischen Stürmen. Den folgenden Tag verbringen wir fast ausschließlich im Haus, schreiben Mails, machen unsere wöchentliche Abrechnung der Kosten, laden Fotos ins Netz, bleiben im Behaglichen, draußen regnet es waagerecht, kaum jemand ist auf der Straße, nur ein paar zerzauste, winddurchblasene Hunde sind unterwegs. Gut, dass wir ein schönes, gemütliches Zuhause haben.


Das ändert sich schon im nächsten Ort, El Calafate, wieder. Uns erwischt der Massentourismus, was konkret bedeutet, dass die Preise hoch sind und günstige Unterkünfte schwierig zu bekommen. Wir hatten schon von El Bolson aus, fast zwei Wochen vor Ankunft hier, Zimmer gebucht und es war nicht einfach. Wir steigen in einem sehr großen Hostel ab, sehr durchorganisiert und haben ein schönes Zimmer mit eigenem Bad und tollem Bett. Aber das Drumherum im Haus lässt dann doch zu wünschen übrig. Die Küche ist sehr groß, und extrem schlecht ausgestattet. Zudem sind dort so viele Leute mit Kochen beschäftigt, dass es eigentlich immer sehr dreckig ist, die natürliche Folge, wenn zu viele Menschen etwas benutzen, für das sie keine Verantwortung tragen und auch sonst niemand da ist, der Acht gibt, ob der Dreck weg geräumt wird oder nicht. So bleibt er halt liegen und wir kochen von den drei Tagen im Hostel nur ein Mal. El Calafate ist der Ausgangspunkt für Touren zum Perito Moreno-Gletscher, einem der großen Gletscher im südpatagonischen Eisfeld. Das besondere an ihm ist, dass er direkt in den Lago Argentino, Argentiniens größten See, mündet und seine hohe Eiswand vom anderen Ufer, von Stegen aus bewundert werden kann. Einen besonderen anderen Grund für den Tourismus in El Calafate gibt es eigentlich nicht. Wir schließen uns auch einer Tour an, die vom hosteleigenen Reisebüro durchgeführt wird und in unserem Reiseführer sehr empfohlen ist. Zum einen wird auf einer Nebenstraße zum Gletscher gefahren, was ganz hübsche Eindrücke des patagonischen Landlebens gibt, es gibt eine kleine Wanderung am Seeufer entlang, zum anderen ist eine Bootstour enthalten. Nach Anfahrt und kurzer Wanderung werden wir zu den normalen Aussichtspunkten gebracht, einige Wege führen durch den Nationalpark immer tiefer zum Ufer hinab und näher an den Perito Moreno-Gletscher heran. Schon auf der Hinfahrt sind wir erstaunt über die Größe und die teils leuchtend blaue Farbe des Eises, je näher wir kommen um so überwältigender erscheint das Ganze. Auch auf den Stegen, den Aussichtsplattformen herrscht ungläubiges Staunen, kaum jemand redet, es ist nur faszinierend, was wir sehen. Der Gletscher gibt knarrende Laute von sich, hin und wieder rumpelt es irgendwo und dann drehen sich alle schnell in die Richtung des Geräuschs um, denn vielleicht bricht ja mal wieder ein kleines Stück Eis ab und stürzt in den See. Ein kleines Stück, das heißt ungefähr die Größe eines Kleinbusses, denn die Eiswand, auf die wir blicken, ist zwischen vierzig und siebzig Metern hoch, an ihrer höchsten Stelle einem Hochhaus mit über zwanzig Stockwerken entsprechend, die Gletscherzunge ist insgesamt rund fünf Kilometer breit. Die anschließende Bootsfahrt bringt uns noch etwas näher heran und von unten, vom Wasser aus, hat man einen noch besseren Blick und eine beeindruckendere Perspektive. Ein Naturschauspiel erster Güte, das wir erleben, wir sind uns einig, dass wir beide nur selten ein schöneres Naturereignis gesehen haben, wir sind sehr beeindruckt.


Wir bleiben noch einen Tag in El Calafate, besorgen uns warme Unterwäsche und Handschuhe, denn am Gletscher war es ziemlich kalt und wir richten uns auf mehr und mehr kühlere Temperaturen ein. Am Tag danach geht es wieder zurück nach Chile, das Ziel ist Puerto Natales, Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Torres del Paine. Wir kommen im Hostal Nancy, einem Tipp von Kathi, einer deutschen Reiseleiterin für Chile und Argentinien, die wir in El Bolson kennen gelernt hatten, unter. Dort geht es sehr geschäftig zu, Leute kommen an und wollen bald in den Nationalpark, andere kehren von dort zurück. Wir leihen direkt bei Nancys Sohn Ausrüstung aus, Schlafsäcke, Isomatten, Kocher, Teller, Gaskartusche. Im Park kann man fertig aufgestellte Zelte mieten und vorab reservieren, das nutzen wir, es erspart uns einige Kilo im Rucksack und wir entschließen uns, sowohl ein Abendessen als auch Frühstück in den geplanten Regufios, Berghütten mit Campingplätzen, zu reservieren. Am nächsten Morgen geht es früh um halb acht los, ein Bus bringt uns zum Nationalpark, muss aber vorher noch etliche Unterkünfte in Puerto Natales abklappern und den obligatorischen Kaffeestopp irgendwo an der Landstraße abhalten. Wir fahren ziemlich weit in den Park hinein, setzen mit einem Schiff über einen der vielen Seen und kommen leider erst mittags an unserem geplanten Startpunkt an. Wir essen etwas, denn es liegen angegebene fünf Stunden bis zu unserer ersten Unterkunft vor uns. Es gibt narrensicher markierte Wege, der Park ist sehr gut erschlossen und die ersten zweieinhalb Stunden sind sehr einfach zu laufen. Aber es ist bereits vier Uhr nachmittags als wir an unserem Punkt der Halbzeit ankommen, wir werden also auch für die restliche Strecke eher drei Stunden brauchen. Nach sechs Stunden Wanderung kommen wir an, ziemlich geschafft, aber es wartet ein warmes Bier auf uns, ein Abendessen und ein fertig aufgebautes Zelt. Letzteres erweist sich als die kleinste und vermutlich billigste Ausführung, die bei der Anschaffung zu erhalten war. Es ist sehr beengt und in der Nacht rächt es sich, dass wir nicht darauf geachtet haben, eine aufblasbare Isomatte zu mieten, sondern nur eine ganz normale Unterlage haben, wir schlafen sehr hart. Während des Tages hatten wir wunderbares Wetter. Normalerweise sagt man dem Nationalpark nach, dass man dort vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann, wir hatten bloß zwei, den Hochsommer und den Frühherbst, mit ganz kurz leichtem Nieselregen und Windstößen, die man schon von weitem kommen hören konnte. Wir lernen eine andere Art unsere Stöcke einzusetzen kennen, sie taugen ganz hervorragend, um sich seitlich bei einer harten Windböe abzustützen. Am zweiten Tag liegen sieben lange Stunden vor uns, das Gelände ist zunächst leicht, gegen Ende geht es zwei Stunden mehr oder weniger kontinuierlich bergauf. Ganz am Schluss, als wir um die letzte Ecke vor unserem Ziel, dem Refugio Chileno biegen, sehen wir das erste Mal die Felsmassive, die dem Park seinen Namen geben, die Torres del Paine. Heute hatten wir nur eine Jahreszeit, Hochsommer, kein Wind, kein Regen, perfektes Wetter, wir haben mal wieder Glück. Eigentlich könnten wir jetzt am dritten Tag sehr früh aufstehen, um zwei Stunden zu einem Aussichtspunkt auf die Torres zu laufen und dort den Sonnenaufgang betrachten. Aber auch diese Nacht war wieder beengt und hart zu liegen, außerdem stecken uns die beiden letzten Tage noch in den Knochen. Wir entscheiden uns, den Sonnenaufgang von unten zu beobachten und das Aufstehen um halb sieben lohnt sich, die Torres del Paine erstrahlen in knallrot, sehr surreal, sehr beeindruckend. Den dritten Tag laufen wir nur wenig, warten am Parkausgang einige Stunden auf den Bus, lassen uns dabei von einer größeren Gruppe junger Israelis nerven, aber kommen am frühen Abend wieder bei Nancy in Puerto Natales an. Unsere Wetterberichte, auch am dritten Tag war ausschließlich Hochsommer, werden dort ungläubig aufgenommen, uns wird versichert, dass wir unverschämt viel Glück mit dem Wetter gehabt haben.


Nach einer erholsamen Nacht fahren wir gleich am nächsten Morgen weiter nach Punta Arenas, an der Magellanstraße. Bei einem ersten Spaziergang zum Strand können wir Feuerland schon das erste Mal am Horizont sehen. Es liegt aber noch am Abend einiges organisatorisches vor uns, einkaufen gehen, Bustickets für die Fahrt nach Ushuaia kaufen, unseren Ausflug zu den Pinguinen buchen, mal wieder Fotos hoch laden, unsere aufgelaufenen Mails beantworten. Den einen vollen Tag, den wir in Punta Arenas haben, nutzen wir zu einem kleinen Stadtrundgang. Viel gibt es nicht zu sehen, aber die Stadt überrascht uns sehr, sie ist sehr europäisch, es gibt viele Gebäude aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, als Punta Arenas eine sehr wichtige Stadt auf der Welt war, nämlich am Weg zwischen Atlantik und Pazifik lag. Dort liegt sie natürlich auch heute noch, aber die Schiffsrouten führen seit 1920 durch den Panamakanal. Punta Arenas verlor an Bedeutung und bekommt heute neuen wirtschaftlichen Schwung und Reichtum durch die Errichtung einer Freihandelszone. Wir sind ein bisschen traurig, dass unsere Reise jetzt terminlich so durchgeplant ist, hier würden wir es durchaus ein paar Tage länger aushalten. Nachmittags machen wir eine Tour zu den Pinguinkolonien am Otway Sound. Leider sind aber nur sehr wenige Vögel anzutreffen, vielleicht insgesamt dreißig oder vierzig, der Ausflug ist also nicht so ein Volltreffer, aber wir haben welche gesehen und auf Feuerland ja nochmals Gelegenheit dazu. Abends gehen wir auf unseren letzten Tag in Chile essen, außerdem haben wir unser fünfjähriges Zusammensein noch nachzufeiern, das fand nämlich im Nationalpark statt. Wieder hilft uns ein Tipp von Kathi, wir gehen in ein sehr liebevoll eingerichtetes Restaurant ganz in der Nähe unserer Unterkunft. Die Atmosphäre ist sehr schön und als das Essen kommt, ich habe geschmortes Lamm in Rotweinsauce, Susi Schwein auf Elsässische Art, haut es uns bald um. Es schmeckt köstlich, richtig feine, französische Küche, ein toller Abschluss für Chile, das uns von den Ländern in Südamerika wohl am besten gefallen hat.


Heute fahren wir dann endlich nach Feuerland, wobei die Frage sich stellt, ob wir uns freuen sollen oder nicht. Einerseits kommen wir geographisch zum Endpunkt der Reise, erreichen also unser Ziel Ushuaia. Andererseits bedeutet das aber auch, langsam Abschied zu nehmen vom Reisealltag, der unser Leben in den letzten zehneinhalb Monaten bestimmt hat. Wir haben das zuvor ja schon beschrieben, wir freuen uns, aber sind auch wehmütig, es gibt kein nur gut und auch kein nur schlecht. Mit dem Bus fahren wir auf die Fähre, die uns über die Magellanstraße bringt, viel weniger spektakulär als der Name vermuten lässt, die Überfahrt nach Chiloe war auch nicht anders. Aber unser kleines Schiff wird während der Fahrt von Delphinen begleitet, nur wenige Meter neben uns schwimmen sie im Wasser, das sehen wir aus der Nähe auch zum ersten Mal. Und dann sind wir in Feuerland, das sieht anfangs auch nicht viel anders aus als Patagonien, bloß weniger Bäume. Die acht Stunden Busfahrt nutze ich um diesen Artikel zu schreiben, bloß dieser letzte Absatz wird in Ushuaia erstellt. Irgendwann kommt die Grenze, auch nichts sonderlich spannendes mehr, wir gehen bereits zum dritten Mal von Chile nach Argentinien oder anders rum. In Rio Grande endet unser Bus und fast alle Fahrgäste steigen um in drei Minibusse. Noch ein mal drei Stunden Fahrt, mit veränderter, bergiger und schöner, schroffer Landschaft dann kommen wir in Ushuaia an. Der Stadtrand ist ziemlich industrialisiert, staubig und hässlich. Bei der Taxifahrt vom Endpunkt des Busses fahren wir kurz durch das Zentrum, es ist alles ziemlich überschaubar und sieht nach einigem Tourismus aus. Auch hier hatten wir einige Schwierigkeiten eine gute Unterkunft zu finden, aber auch heute geht alles gut. Wir haben eine Cabaña, die einem sehr gut bewerteten Bed & Breakfast angeschlossen ist. Unser kleines Zwei-Zimmer-Haus gefällt uns gut, hier können wir die nächsten drei Tage gut verbringen, bis am 26. abends unser Flug nach Buenos Aires geht. Wir wollen es nochmal mit Pinguinen versuchen und irgendwo in der Gegend muss ein Schild rum stehen auf dem es dann heißt „Fin del Mundo“ – Das Ende der Welt.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 12. Februar 2011

Patagonien

Nun bleiben uns noch drei Wochen und unser Aufenthalt in Patagonien ist auch Teil der Rückreise, genauer der Anreise nach Ushuaia in Feuerland, von wo wir zurück fliegen werden, ab dort geht es dann immer mehr Richtung Deutschland und Fürth. Das Thema Rückkehr beschäftigt uns schon stark. Bewerbungen sind verschickt, die Flüge gebucht, unser Zeitplan ist nun ziemlich durchgeplant. Und gedanklich kommen wir Fürth auch immer näher. Mittlerweile freuen wir uns, dass wir dann nicht mehr alle paar Tage in einem anderen Bett schlafen werden, dass wir nicht mehr ständig Rucksäcke packen müssen, nicht mehr aus den daraus entstehenden Haufen leben müssen. Wir freuen uns darauf, dass wir in unserer Küche vernünftiges Werkzeug haben werden, Messer die schneiden, Pfannen die schwer und eben sind und nicht aussehen, wie eine Achterbahn. Töpfe werden wir wieder an den Griffen anfassen können, ohne uns Brandblasen daran zu holen. Es werden Gewürze einfach so im Regal stehen und nicht nur Salz, Pfeffer und Chili da sein. Wir werden wissen, wo wir auch in einer Woche schlafen werden, auch wenn es zunächst eine Übergangslösung geben wird. Wir möchten so schnell, wie möglich, eine möblierte Wohnung in Fürth nehmen, für einen Monat, vermutlich genug Zeit, um eine endgültige Wohnung zu finden. Wir haben auch schon eine Liste mit Punkten erstellt, was die neue Wohnung uns bieten soll. Falls jemand etwas weiß, nur zu, in Kürze wird dazu ein gesonderter Artikel erscheinen, wer weiß, wer alles hier mitliest. Wir freuen uns natürlich auf unsere Freunde und Familien und sind gespannt, wie es ist alle wieder zu sehen, das kann ich mir noch gar nicht vorstellen, bestimmt ein tolles Gefühl. Klar, es ist auch schade, dass diese schöne Reise dem Ende entgegen geht, doch irgendwie hat der Travellergott das so eingerichtet, dass alle, die ans Ende ihrer Langzeitreise kommen, sich mehr an das Positive einer festen Bleibe und eines geregelten Alltags erinnern, als das irgendwo in der Mitte der Tour der Fall ist. Wir haben wunderbare Eindrücke gewinnen dürfen und tun dies immer noch, so heute und auch gestern, wir haben viel gelernt, vor allem was Punkte wie Flexibilität und Improvisationstalent angeht. Ob wir uns verändert haben, wissen wir nicht, vielleicht, kann gut sein, aber das sollen dann besser andere beurteilen. Vielleicht wissen wir mittlerweile besser, was wir wollen und auch ziemlich gut, was wir nicht wollen.

Und etwas zum Thema Reisen ist auch neu. Hatten wir sonst bei unseren kurzen Fernreisen schon beim Start eine grobe Idee, wo es als nächstes hin gehen könnte, sind wir derzeit bei dem Thema vollkommen blank. Es zeichnet sich ab, dass wir die nächste Reise anders, individueller, machen möchten. Selbst fahren wäre gut, Susi ist ganz angetan von den Radreisenden, die wir getroffen haben, also weniger von den Reisenden, als mehr von der Art der Fortbewegung. Ich habe so etwas ja schon drei mal gemacht, würde das wieder tun, aber ohne Berge. Berge und Fahrrad, zwei Dinge, die mich zusammen komplett ankotzen und ich glaube nicht, das irgendjemand Spaß an einem stundenlang laut vor sich hin fluchenden Christoph über einen längeren Zeitraum hat. Ich bin der Idee eines Autos, wo man drin wohnen, zumindest drin schlafen kann, und mit dem man so ziemlich überall hin kommt, recht verfallen. Wenn es für den deutschen Alltag nicht so schwachsinnig wäre, kämen wohl am ehesten die Dinger, die wir in den Cameron Highlands gesehen haben in Frage. Fotos sind auf unserer Fotoseite. Da kann man hinten eine Einrichtung einbauen, wo alles rein passt und ein Zelt könnte auf dem Dach installiert werden, haben Saskia und Emiel mit ihrem Landcruiser auch so gemacht. Und die Karren kommen wirklich überall hin. Außer vielleicht in die Zentren deutscher Großstädte, siehe Umweltplakette und sie fressen locker zehn Liter Sprit, der Diesel ist ja auch nicht mehr so günstig bei uns. Dazu kommt eine hohe Steuer, die bestimmt bald CO²-abhängig gestaltet wird, dann wird’s richtig lecker. Mal sehen. Und unsere Ziele ändern sich gedanklich mit diesen beiden Varianten natürlich auch. Fahrradtour = Fluss, zumindest für mich. Frankreich wäre schön, ist aber blöd, da spricht keiner eine Sprache, die wir auch brauchbar können. Wobei man sagen muss, dass viele Franzosen, vor allem junge, mittlerweile des Englischen mächtig sind, auch wenn manche es nach wie vor strikt verweigern, ansonsten bestimmt nett, die Loire oder Rhone runter zu fahren. Donau und Rhein hatte ich schon, weiß nicht. Der Mekong! Aber geht das mit dem Rad? Dann haben wir mal darüber gesprochen, dass man mal nach England fahren könnte. Das hat dann echten Exotenbonus, wir kennen nur sehr, sehr wenige Menschen, die dort hin fahren. Schottland, Irland, das ist fast schon Massenauftrieb, aber England? Da geht kaum jemand hin. Mal gucken, jetzt wissen wir jedenfalls noch nichts und das ist schon mal ein ganz schön dickes Ding.

Unser letzter Bericht hatte ja damit geendet, dass wir in El Bolson angekommen waren. Wir sind, wie vermutet, länger geblieben, als zunächst gedacht, elf Tage, dann mussten wir wirklich weiter. Wir haben dort nicht sonderlich viel gemacht, einen Tag waren wir in einem Wald mit Holzskulpturen, öfters auf dem Kunsthandwerkermarkt und fast täglich bei „Jauja“ Eis essen. Das soll das beste Eis Argentiniens sein und es ist eins der besten, was wir überhaupt jemals in die Finger bekommen haben. Alleine elf verschiedene Sorten Schokolade sind im Angebot, eine besser als die andere, wobei wir uns doch auf „Chocolate Profundo“ als Testsieger festlegen können. Der Markt, der immer Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag stattfindet ist ebenfalls sehr schön. Es ist Kunsthandwerk aller Art im Angebot und es gibt tolle Sachen zu sehen und zu kaufen, wobei sich unser Kaufrausch dann doch mehr auf Waffeln, Schnitzelsandwich, Fritten und Bier beschränkt hat, in unterschiedlichen Kombinationen. Am Markt war dann drumrum auch immer etwas geboten, es spielten Bands, es gab Jonglage, Kasperltheater, alles mögliche. Unser Hostel war einfach traumhaft, oft haben wir ganze Tage lang das Gelände nicht verlassen, haben in den Hängematten gelegen, gelesen und viel Zeit mit anderen Gästen verbracht, vor allem Natalie und Tony aus Vancouver würden wir sehr gerne wieder sehen. Mit Tony und mir war es eine Begegnung, die man nur manchmal hat, wir haben uns gegenüber gestanden, gegrinst, unseren Namen gesagt und wussten, dass wir jemanden gefunden haben, mit dem es einfach passt. Ein super Typ. Vielleicht muss unser nächster Urlaub dann doch mal nach Kanada gehen. Häufig haben alle Gäste abends zusammen gekocht oder gegessen, zwei Mal wurde gegrillt, wir haben einen Pizzaabend gehabt, es gab mal Curry für alle, dann wurde einfach gesagt, dass jeder abends etwas auf den Tisch stellt. Eine tolle Gemeinschaft, die sich auch durch die Stimmung, die Agustin und Laura, die Besitzer, aufgebaut haben, gebildet hat. Wir hatten in El Bolson eine ganz tolle Zeit, auch wenn es eigentlich kaum etwas besonderes zu berichten gibt, wir waren jedenfalls richtig traurig, als wir gehen mussten und es war klar, dass wir einen ganz besonderen Ort zurück lassen.

Weiter ging es Richtung Süden, unser Ziel war El Chalten, schon recht weit unten in Patagonien. Bloß der Weg dorthin ist beschwerlich. Es gibt zwei Möglichkeiten: Außen rum über die Atlantikküste, das dauert lang, geht aber über asphaltierte Straßen und somit mit bequemen Bussen, kann man in einer langen Tour mit Umsteigen machen. Die andere Variante geht über die legendäre Ruta 40, geradeaus nach Süden, mitten durch die verlassensten Gegenden Argentiniens, eine sehr berühmte und teilweise sehr schlechte Straße, etliche Hundert Kilometer sind nicht geteert. Hier fahren nur alte Klapperbusse, denn mit den großen Doppelstöckern geht das gar nicht und einen neuen Bus will dort auch keiner ruinieren. Das war unsere Wahl, denn wir wollten die Ruta 40 sehen. Die Straße ist eine Legende in Argentinien, sie beginnt ganz im Süden, bei Rio Gallegos, und endet ganz im Norden an der bolivianischen Grenze bei La Quiaca, dort sind wir ja schon rum gekurvt. Aber einer der interessantesten Teile ist halt der durch Patagonien, das wollten wir machen. Also entschlossen wir uns, die Reise aufzuteilen, man kann zwar in fünfundzwanzig Stunden durch fahren, aber das am Stück in einem Klapperbus, war uns dann doch zu derb. Also Stopp in der Mitte, in Perito Moreno. Da gibt es quasi nichts, aber gleich nebenan ist Los Antiguos, das sollte sehr schön sein. Dann war der Plan, nach Perito Moreno zurück zu fahren, dort ein mal zu übernachten und mit einem Bus tagsüber bis El Chalten zu fahren. Das sind dann zwei Strecken über rund zwölf Stunden, das geht.

Wir erreichen Perito Moreno im Vormittag um zehn, eine Stunde später geht ein Bus ins rund fünfzig Kilometer entfernte Los Antiguos. Eine Übernachtung konnten wir nicht reservieren, wir sind also gespannt, was sich ergeben wird. Wir werden im Touristenbüro vorstellig, die beste Alternative scheint eine Pension zwei Kilometer außerhalb vom Ort zu sein. Wir fahren mit dem Taxi hin, das Zimmer ist hübsch, das Haus ruhig. Später stellen wir fest, der Weg ins Dorf ist weit und zieht sich ziemlich und das Haus ist eine absolut gruselige Veranstaltung. Es ist dort so ruhig, dass niemand ein Wort redet, alles ist auf Hochglanz poliert, steril, langweilig, Stimmung wie bei Oma und damit meine ich nicht bei unseren Eltern. Die Wanduhr tickt gnadenlos vor sich hin, man traut sich nur zu flüstern, der Hausbesitzer sitzt vor seinem Computer und guckt auf den Bildschirmhintergrund. Wenn seine Frau ins Erdgeschoss kommt, geht er raus oder hoch. Grusel, grusel und das nach unserer Superunterkunft in El Bolson… Am nächsten Morgen wechseln wir als erstes die Hütte, bei der Tusnedla bekommt man ja suizidale Gedanken, es ist schon krass, in was für Läden wir im letzten Jahr so gewohnt haben. Es ergibt sich etwas wirklich Gutes, allerdings müssen wir die erste von zwei Nächten im Schlafsaal schlafen, immer noch besser als im Geisterhaus. Wir haben eine Küche zur Verfügung, die Besitzer sind nett, es gibt andere Gäste und die Mitbewohner sind allesamt sehr rücksichtsvoll, ruhig und nett, nicht mal Schnarcher haben wir uns eingefangen. Los Antiguos ist ein Kaff an der Grenze zu Chile, aber alles ist hier viel zu groß für so ein Nest. Breite Straßen, ein riesiger Busbahnhof, alles vollkommen neu, kein alter Ortskern, komische Atmosphäre, aber doch ganz nett. Wir erfahren, dass die Grenze zu Chile erst seit einem Jahr offen ist und die Ruta 40 durchgängig geteert werden soll. Deshalb erhofft Los Antiguos sich in Kürze einen Touristenansturm auf dem Weg von Chile nach El Chalten und El Calafate im Süden. Vielleicht, jetzt ist jedenfalls alles ziemlich oversized. Am dritten Tag fragt uns morgens der Besitzer unserer Unterkunft, er scheint uns zu mögen, ob wir mit ihm auf seinen Bauernhof fahren möchten. Da gibt es Kirschen, für die Los Antiguos allgemein berühmt ist und Pferde, klar da fahren wir mit, haben ja eh nichts besseres zu tun. Es ist wirklich schön da draußen, es gibt ein paar Tiere, Ruhe, wir bekommen Mittagessen, vom Chef persönlich zubereitet, gucken uns alles an und verbringen einen ruhigen Tag im Chakra, so heißen die Bauernhöfe in der Gegend. Das ist absolut nicht mit unseren Fabrikhöfen zu vergleichen, es gibt nur zwei kleine Hütten, die Viecher, außer den Pferden, laufen frei rum und an der Wand seiner Hütte präsentiert Chefe seinen Besuchern Fotos aus seiner Zeit als Jockey. Es ist alles deutlich einfacher als bei uns, aber eben auch wunderbar entspannt.

Perito Moreno ist ein anderes Kaliber, ein gewachsenes Straßenkaff, Durchgangsstation auf der Quarenta (40) und so richtig hinter dem Mond. Aber es hat was, vor allem unser Hotel. Das ist alteingesessen und seit den sechziger Jahren hat sich hier nichts verändert, noch nicht mal der Klingelton vom Telefon. Gegen Abend fallen die Reisenden ein, morgen früh fährt von hier der Bus ab. Es ist eine sehr lebendige Atmosphäre, sehr international und die Dorfjugend kommt herein, um schnell ein paar Bonbons zu kaufen und Touris anzugucken. Es wird ein günstiges Essen angeboten und es ist geht sehr geschäftig zu. Uns fällt auf, dass hier ganz andere Reisende unterwegs sind, als weiter im Norden, in Bariloche oder El Bolson. Hier sind die Traveller anzutreffen, die abseits der normalen, ausgetretenen Pfade reisen. Keine Großstadt-Argentinier mehr, die junge Partycrowd ist nur in Form von ein paar Israelis vertreten. Die Gäste vom Hotel sind in der Mehrzahl schon etwas älter und haben schon viel gesehen. Uns beeindruckt eine Engländerin, die wir auf locker achtzig schätzen, voriges Jahr war sie in Laos, Vietnam und Kambodscha unterwegs, auch nicht immer etwas von der Stange.

Morgens um zehn geht der Bus, wir haben Plätze direkt hinter dem Fahrer, somit leider auch direkt hinter einem Vorhang. Susi macht ihn auf, damit wir etwas sehen können, der Fahrer macht ihn wieder zu. Aber sein Kompagnon lässt sich erweichen, die beiden Busverantwortlichen besprechen sich, der Vorhang wird auf gemacht, wir haben das volle Panorama auf die Patagonische Weite. Traumhaft. Während der Fahrt haben wir viel Spaß mit den beiden Fahrern, auch sie haben einen Narren an uns gefressen, zeigen uns immer wieder etwas, holen uns nach vorne, damit wir noch bessere Fotos machen können. Die Landschaft ist grandios und vor allem komplett leer. Auf den fast sechshundert Kilometern und dreizehn Stunden Fahrt, meist auf Schotter, kommen wir durch genau zwei Ortschaften, beide nur mit ein paar Häusern. Über Stunden sehen wir keine Menschenseele, hin und wieder kommt ein Auto oder Lastwagen entgegen. Hier ist einfach alles leer, aber doch spannend, immer wieder wechselt die Landschaft, mal ganz flach, mal hügelig. Gegen Ende der Fahrt kommt der Cerro (Berg) Fitz Roy und das Massiv des Cerro Torre in Sicht, davor Wolken, wie im Ölgemälde, bloß noch kitschiger, dahinter geht die Sonne unter. Und genau dort hin geht die Fahrt, denn El Chalten, unser Ziel, ist extra deshalb gebaut worden, um diese aufregende Landschaft um diese Berge herum touristisch zu erschließen. Das Ortsschild sagt „Argentinische Hauptstadt des Trekking“.

Wir kommen abends um elf Uhr an und müssen nun unsere Unterkunft suchen. Es war ziemlich schwer, hier etwas zu bekommen, denn die Massen strömen hier her. Aber schlussendlich sind wir an ein Apartment gekommen, recht teuer, aber das holen wir mit der Möglichkeit zu kochen, wieder herein, Hostels waren alle dicht. Wir fragen uns im stockfinsteren El Chalten Stück für Stück durch und kommen an, unsere kleine Wohnung ist sehr neu und sehr schön, ein guter Ort. Heute haben wir lange geschlafen, dann gefrühstückt und uns danach erklären lassen, was man hier in der Gegend so an Wanderungen machen kann. Wir haben Glück, heute und morgen ist gutes Wetter gemeldet, danach soll es regnen. Unsere Vermieterin empfiehlt uns eine Tour zur Laguna Torre, direkt unterhalb des Cerro Torre, das dauert in eine Richtung rund drei Stunden. Wir brechen gegen Mittag auf, das sollten wir schaffen, denn es ist ja auf jeden Fall bis neun Uhr abends noch hell. Wir laufen los durch schöne Natur, haben immer wieder Abwechselung, mal Wald, mal Steppe, immer in Richtung des Bergs. Aber der hängt in Wolken, Hoffnung macht, dass die aber mit der Zeit immer weniger werden. An einem Aussichtspunkt können wir den Fitz Roy und den Cerro Torre sehen, das heißt von letzterem nur den Fuß. Daneben ist ein riesiger Gletscher, der bläulich schimmert, ein tolles Bild. Wir gehen weiter zur Lagune und auf dem Weg sehen wir immer wieder diesen extrem schwierig zu besteigenden Berg. Bis in die späten fünfziger Jahre hinein galt er als unbesteigbar, die erste unumstrittene Besteigung fand erst im Jahre 1974 statt. Und wir sehen immer mehr vom Cerro Torre, denn die Wolken verziehen sich Stück für Stück. Die Laguna Torre erreicht man über einen kleinen Hügel und es ist unglaublich, genau zu dem Moment, wo wir an die Lagune kommen, ist der Cerro Torre am heutigen Tag das erste Mal wolkenfrei. Es ist ein unbeschreibliches Bild. Vorne die Lagune, grünlich schimmernd, darin schwimmen Eisberge, dahinter der große Gletscher und wie Kirchtürme dahinter der Cerro Torre mit seinen Nebenbergen, Torre Egger, Punta Herron und Cerro Standhard. Wir staunen und sitzen eine ganze Weile einfach nur da. Ich habe sehr selten so ein schönes Bild vor mir gehabt, sehr bewegend. Der Weg dorthin hat sich ziemlich gezogen und der Rückweg tut es auch, aber das hat sich wirklich gelohnt. Später sagt uns unsere Vermieterin, dass wir wirklich großes Glück gehabt haben, ganz oft kann man die Berge gar nicht sehen, weil sie meist in Wolken hängen. Viele Wanderer, die früh unterwegs waren und uns entgegen gekommen sind, haben ebenfalls nur Wolken zu Gesicht bekommen, aber wir Langschläfer haben mal wieder alles richtig gemacht. Jetzt sitzen wir ziemlich platt nach sechs Stunden strammer Wanderung in unserer kleinen Wohnung, haben gegessen und morgen wollen wir den Mount Fitz Roy aus der Nähe betrachten. Deshalb gibt es heute keine Fotos mehr zu dem Artikel, die werden in den nächsten Tagen nachgereicht. Aber ein schönes Bild vom Sonnenaufgang am selben Ort findet ihr hier.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 26. Januar 2011

Zurück in Argentinien

Seit vier Tagen sind wir wieder zurück im Land der saftigen Steaks, teuren und mäßigen Hostels und lärmenden, arroganten Bewohnern. In diesen vier Tagen haben wir schon einige Male gesagt „Das war in Chile aber anders“ und wir haben auch darüber nachgedacht, auf dem Fuße kehrt zu machen, noch Mal über die Berge zu fahren und zurück nach Chile zu gehen. Schlussendlich haben wir uns aber dagegen entschieden, Patagonien ruft und wir wollen es sehen, nicht nur mit dem Schiff auf dem Pazifik drum rum fahren, denn das wäre die teure Alternative zum Landweg nach Feuerland gewesen. Und seit heute Nachmittag sieht es auch so aus, als würde sich alles doch wieder ganz gut entwickeln, man muss einfach nur den Porteñomassen (Bewohner von Buenos Aires) entkommen. Aber dazwischen war ja noch was.

Wir waren ja in Puerto Varas, Titisee, viel ist dort nicht los. Einiges an Tourismus, das Nest relativ langweilig, irgendwie gesichtslos, aber die Landschaft ist schön, vor allem drum herum. Also fahren wir eines schönen Tages zum Wandern in den nahe gelegenen Nationalpark. So wirklich haben wir keinen Plan, wir wissen nur, dass es in einem Nest namens Ensenada ganz hübsch sein soll und dass man von dort aus gute Wanderungen machen kann. Also rein in den Linienbus und in Ensenada wieder raus. Bloß wo ist der Nationalpark? Und, noch interessanter, gibt es irgendwo eine Karte oder so etwas, wo man erkennen kann, wo man da lang latschen kann? Nichts ist, wir laufen erst mal was die Straße entlang. Irgendwann kommt ein Häuschen vom Nationalpark und ein paar Schilder dazu. Es gibt eine Karte und gleich dort fängt ein kurzer Weg an, dauert rund eine Stunde hin und zurück. Wir fangen damit mal an, können ja später noch andere Strecken gehen, kommen zu einer quietschgrünen Lagune, laufen dann ein Stück durch den Wald, kommen zum großen See, an dem auch Titisee liegt, und gehen wieder zurück. Auf ein Mal Angriff riesiger Killer-Pferdebremsen! Die Dinger sind Mutanten, stürzen sich auf alles was dunkel ist, zum Beispiel dunkelbraune Fleecepullis oder schwarze Rucksäcke und sind echt penetrant, die verfolgen einen, genauer mich, regelrecht. Flucht, wildes Umsichschlagen, bestimmt komplett falsch, Kippe an, vielleicht hilft das ja gegen die Biester. Tut es nicht, die verfolgen uns auf Schritt und Tritt, also raus aus dem Wald, rauf auf die Straße. Bringt nix, die Scheißviecher sind hinter uns her, hinter Susi mittlerweile auch. Irgendwann kommt endlich ein Bus, wir springen rein, verscheuchen vorher noch die Mistbatzen und flüchten zurück ins beschauliche, monsterbremsenfreie Titisee. Ausflug beendet. Toll. Und viel mehr gibt es von dort auch nicht zu berichten, das Wetter ist dann mäßig, nach drei Tagen reisen wir wieder ab, zu langweilig.


Wir fahren mal wieder Boot, mit dem Bus auf der Fähre zur Insel Chiloe, südlich von Puerto Montt. Hier auf der Insel scheint die Zeit ein paar Jahrzehnte stehen geblieben zu sein. Wir steigen zunächst in Ancud, einem kleinen Fischerstädtchen ab. Unser Hostel liegt sehr schön direkt am Meer, wir haben ein tolles Zimmer mit Meerblick. Morgens zum Aufwachen müssen wir bloß die Köpfe etwas heben und sehen den Pazifik in einer Bucht mit vorgelagerter Halbinsel. Ancud ist verschlafen, Fischfang und sonst nichts. Einen Abend gehen wir sehr gut und günstig Fisch essen, im Restaurant sind Wände und Decken über und über mit Visitenkarten behangen. Unser Gastgeber ist diesmal ein Schweizer, sehr nett, seit zehn Jahren in Ancud. Das Hostel ist super geführt, es gibt zum Frühstück selbstgebackenes Vollkornbrot mit selbstgemachten Marmeladen. Es sind viele nette Gäste da und dann ist es so weit: Unsere ersten „Nürnberger“ auf der Reise. Bald stellt sich aber raus, die Ortsangabe „Nürnberg“ stimmt nicht ganz, er kommt aus Altdorf, sie aus Zirndorf, hallo Nachbarin, FÜ – Fürth überholt. Nach drei Tagen ist es dann auch gut in Ancud, wir fahren weiter, haben schon von Puerto Varas aus in Castro, dem Hauptort der Insel reserviert.


Castro ist größer, der Hauptort der Insel mit rund 50.000 Einwohnern, es ist lebendiger, aber nicht unbedingt hübscher als Ancud. Wir wohnen im Palafito Hostel, mit Sicherheit eine der schönsten Unterkünfte der Reise, leider nicht so günstig, aber das ist ein Geburtstagsgeschenk, wir wollen zur Feier des Tages richtig schön wohnen und geben deshalb für vier Tage das Doppelte unseres normalen Übernachtungsbudgets für Chile aus. Das Haus ist wunderbar gebaut, hell, heimelig, alles aus Holz, Ofen im Wohnzimmer und direkt auf dem Wasser gebaut, zumindest bei Flut. Palafitos sind die traditionellen Holzhäuser auf Stelzen, die auf Chiloe zu finden sind. Einen Eindruck vom Hostel könnt hier hier gewinnen. Viel machen wir in Castro nicht, gleich beim Eintreffen lernen wir Julia, Arno, Eva und Jona kennen. Sie sind auf einer einjährigen Reise und machen das Ganze mit Kindern, Eva ist vier, Jona zehn Monate alt, er wird auf der Reise in Kürze das Laufen lernen. Wir kochen regelmäßig zusammen, sitzen abends noch und reden, es ist sehr nett. Mit ihnen zusammen feiern wir dann auch Geburtstag, es ist keine große Party, aber eine schöne, Steaks, Salat, Kartoffeln, Wein, Bier, Pisco Sour. Susi beschenkt mich mit vielen, schönen Dingen, Kuchen, T-Shirt aus Valpo, Chili-Likör, MILKA (!!!)-Schokolade, Mütze für das windige Patagonien, Pisco Sour für den Abend, Blumen und vier Kerzen in weiß und grün. Es ist ein schöner, ruhiger Geburtstag mit einigen Mails von zuhause. Es ist wirklich schön zu sehen, dass die Freunde etliche Tausend Kilometer entfernt, an einen denken. Leider haben sie im Palafito für mehr als die reservierten vier Nächte keinen Platz mehr für uns, so dass wir uns danach auf den Weg nach Bariloche in Argentinien machen.


Unser Weg führt uns zurück nach Puerto Montt, nur dort können wir Tickets für den Bus nach Argentinien buchen, also planen wir dort eine Übernachtung ein. Für Bariloche reservieren wir schon von Castro aus ein Zimmer, wichtig, es ist Hochsaison und Massen von meist inländischen Touristen unterwegs. In Puerto Montt angekommen bekommen wir zunächst einen kleinen Schreck. Alle Busse der Klassen Cama oder Semi-Cama sind ausgebucht, nur der normale Service, Comun, hat noch Plätze frei. Also müssen wir den nehmen, das ist dann ungefähr normales, deutsches Reisebusniveau, nicht sonderlich viel Platz, nicht sehr komfortabel, aber für acht Stunden Fahrt geht es schon, ist ja nicht weit. Puerto Montt ist ziemlich herunter gekommen, eine Großstadt, Fischerei, etwas Industrie, es macht den Eindruck, als hätten sie hier vergessen, die chilenische Entwicklung her zu bringen. Unsere Unterkunft ist diesmal eine klassische Pension, bei Muttern, mit Plastiktüten auf den Sitzpolstern, damit die schönen Stühle lange halten. Aber für eine Nacht ist das ok, es ist sauber, steril, passt schon.

Die Fahrt nach Bariloche ist sehr schön, wir fahren über die nicht mehr so sehr hohen Anden, Wälder überall, extrem hohe Bäume, an der Grenze wieder die Killer-Pferdebremsen. Der chilenische Teil geht schnell und problemlos, bei den Argentiniern steppt der Bär. Massen von Autos, alle stehen, Berge von Menschen tummeln sich im Einreisebüro, wir haben Glück, Busse werden bevorzugt behandelt und in einem extra Gebäude abgewickelt, dadurch stehen wir nicht so lange an der Einreise. Die argentinische Seite der Berge ist noch schöner als die chilenische. Bald kommen wir an einen großen Gebirgssee um den wir herum fahren und dann nach Bariloche. Oh my god!!! Massen von Leuten. Massen. Unmengen. Stapelweise Touristen. Ach du scheiße! Während der Taxifahrt zum Hostel denke ich mir, dass das zum Glück fünf Kilometer außerhalb ist. Aber diese fünf Kilometer sind voll mit Cabañas, Hotels, Pensionen. Die Namen lauten „Chamonix“, „Gstaad“ und so weiter. Später werden in der Stadt „Edelweiß“, „Tirol“ und ähnliche dazu kommen. Die Gegend ist in der Tat alpenländisch, der große See vorne, dahinter die Berge, wunderschöne Gegend. Aber das Kaff… Gesichtslos, Stillos, Shopping zu Preisen wie in den Alpen, totaler Rummel. Ganz ehrlich, wenn ich Alpen haben will, fahre ich lieber da hin, dort haben die Hotels dann wenigstens Holzbalkone und Geranien darauf, das hier ist ein müder Abklatsch, aber sie Argentinier lieben es, zumindest die aus Buenos Aires.


Im Hostel erwartet uns erst mal Frust. Das Zimmer an sich ist improvisiert, aber in Ordnung, aber die Stimmung dort fürchterlich. Der Laden wird von zwei Brüdern betrieben, die sich wunderbar um die Gäste kümmern. Um manche Gäste, Kriterium: unter 25 Jahre und supercool, lärmend und männlich. Andere Möglichkeit: Unter 25, gut aussehend, weiblich. Die beiden Gruppen sind interessant, der Rest wird ignoriert, wir also auch. Dafür hat sich einer der beiden Chefs auf die Fahne geschrieben, uns beizubringen, wie man beim spülen Wasser spart, das geht dann so weit, dass uns dabei wörtlich der Hahn abgedreht wird. Zur gleichen Zeit spritzt der andere Bruder gerade zehn Minuten lang kostbares Nass auf die nicht-asphaltierte Straße, sehr sinnvoll bei 35 Grad im Schatten und sengender Sonne. Wir sind ziemlich angelascht, eine Unterkunft entschieden teurer als alle in Chile, dafür aber viel schlechter. Schlecht und teuer, tolle Kombination. Wir sind wirklich genervt, haben von Argentinien schon wieder die Nase voll, schlechte Unterkünfte, hohe Preise, radikale Autofahrer, unverschämte Leute, Krawallmacher, Arroganz wohin man blickt. Mehr als ein Mal sagen wir „Das war in Chile aber anders“.

Wir kommen ans Überlegen, denken über Alternativen nach. Klar ist, in unserem wunderbaren Hostel müssen wir vier Nächte bleiben, das ist der Nachteil einer Reservierung über Hostelworld im Internet. Der Vorteil ist, dass man gesichert eine Reservierung und somit ein Zimmer hat, nicht ganz selbstverständlich, wie wir in Buenos Aires gelernt haben. Eine Variante wäre tatsächlich zurück nach Chile, dort Zeit rum bringen und mit der Navimag, das ist eine Schiffsgesellschaft von Puerto Montt nach Puerto Natales, im Süden zu fahren. Das ist aber ziemlich teuer, genauer rund 1.200 US-Dollar, wenn man nicht im 46-Leute-Saal pennen will. Außerdem wollen wir Patagonien sehen und nicht nur mit dem Schiff westlich daran vorbei fahren. Wir haben definitiv die Nase von miesen und teuren Unterkünften gestrichen voll, so viel ist klar. Deshalb kommen wir auf die Idee, dass man sich ein Auto mieten könnte, zur Not noch ein Zelt und Schlafsäcke kaufen und dann ziemlich unabhängig wäre. Man könnte sich die Läden, in denen man schlafen will, vorher angucken und wenn sie voll sind auch campen. Man kann fahren wie man will, anhalten, wenn man mag. Gute Alternative. Fast zwei Tage werden wir nun damit verbringen, das genauer auszutüfteln, Outdoorläden abklappern, um heraus zu finden, was gute Ausrüstung kostet. Genau so viel, wie bei uns. Wie bezahlen die das bei den Löhnen? Dann Internetrecherche, wir suchen nach 4×4-Wohnmobilen. Das gibt es, Kostenpunkt für vier Wochen, Rückgabe in Ushuaia, Feuerland, Erlaubnis nach Chile einzureisen, denn da muss man durch, wenn man nach Feuerland will: knapp sechstausend (in Zahlen 6.000) EURO!!! Aber inklusive Überführungskosten nach Bariloche und von Ushuaia. Der Haken an der Sache, außer dem schnöden Mammon ist, dass man das mindestens sieben Tage vorher anmelden muss, damit man die Papiere für Chile bekommt. Kurz, die haben einen totalen Vollknall, vor allem wegen der Kohle. Also Auto, mit so einem kleinen Rutscher wie wir ihn in Südafrika hatten, kann man das vergessen, denn die Strecke sind zweieinhalb tausend Kilometer, davon die Hälfte ungeteert in mehr oder weniger schlechtem Zustand. Es müsste ein geländetaugliches Auto sein, zumindest ein 4×2, alle anderen darf man auf der Strecke als Mietwagen sowieso nicht fahren. Wir suchen und finden einen Ford Eco Sport für 2.800 Euro für vier Wochen. Kann nicht sein, die haben die eine Meise. Also machen wir uns auf in die Stadt, es wird nicht besser, die Preise liegen bei Minimum 3.500 Euro. Bei unserem Internetangebot ist aber noch ein großer Haken, denn entweder darf man bei der einen Firma nicht über unbefestigte Straßen fahren (Ja, wozu ist so eine Karre denn sonst da?) oder nicht ins Ausland, also Chile oder nicht auf Inseln, also Feuerland. Tolle Wurst. Das geht also auch nicht, wir werden also so weiter reisen, wie bisher. Die spinnen doch im höchsten Grad, wir wollen die Autos nicht kaufen, wir wollen sie für vier Wochen mieten, hallllooooooo…

Wir geben die Idee als Selbstfahrer unterwegs zu sein also auf, und machen mal was nettes, fahren raus aufs Land, nach Llao Llao. Dort steht Argentiniens berühmtestes und teuerstes Hotel in absoluter Premiumlage, zwischen zwei Seen und ganz nah dahinter die schneebedeckten Bergspitzen. Wow, das haut einen schon um, Susi möchte gerne auf der Hotelterrasse einen Kaffee trinken gehen, mir dreht sich bei dem Gedanken schon der Magen um, angesichts der Preise, die uns wohl erwarten werden. Aber so weit kommt es gar nicht, wir gelangen problemlos bis in die Hotellobby, trotz Fußballtrikot aus Valparaiso. Beeindruckend, so sieht also der alpenländische Luxus a la Argentina aus. Weiter geht es dann nicht, dahinter, also auch die berühmte Terrasse, ist nur für Gäste. Wir gehen also wie geplant wandern, kommen an einen schönen Bergsee, laufen durch tollen Wald mit riesigen Bäumen, dessen Unterholz aus Bambus besteht. Hier wird dann schon klar, warum die alle hier her fahren. Später reservieren wir noch ein Zimmer für die nächste Station in El Bolson, gut hundertzwanzig Kilometer weiter südlich.


Hier sind wir heute Nachmittag angekommen, es ist der Hammer. Die Unterkunft ist außerhalb des Ortes, ein riesiger Garten, geordnet verwildert und die Besitzer sind sehr nette Altfreaks. In den Siebzigern haben sich die Hippies El Bolson aus geguckt und sind in Scharen dorthin gezogen, die beiden Hostelwirte sind sicherlich ebenfalls zu der Zeit hierher gekommen. Die Zimmer sind in mehreren kleinen Häusern auf dem Gelände verstreut, sie sind sehr einfach, aber reichen uns völlig. Der Preis für Argentinien mehr als wohlfeil, geradezu billig. Es sind nur nette Leute hier, die einen ruhigen Ort haben wollen. Es ist ruhig, sehr ruhig, richtig entspannt. Agustin, der Besitzer, erklärt mir nach der Ankunft, was wir alles in der Gegend unternehmen können, Wanderungen in die Berge, zu den Kunsthandwerksmärkten der Hippies, zu einem See… Er fragt, wie lange wir bleiben wollen, ich sage, dass wir ja zunächst fuer drei Nächte reserviert hätten, aber es noch nicht so genau wüssten. Er sagt, die Reservierung sei uninteressant, wenn wir erst mal hier sind, sind wir hier und können so lange bleiben, wie wir wollen. Wenn wir für immer bleiben wollen, bleiben wir für immer, kein Problem. Ihm geht es mehr darum, was er uns noch alles an Ausflügen und Unternehmungen empfehlen soll. Die beiden, er und seine Frau Laura, sind wirklich cool, die machen nicht nur einen auf lockeren Macker. Wir sind uns sicher, wir werden länger als die reservierten drei Tage bleiben und die Gäste bestätigen es uns nach und nach alle. Hier bleibt jeder länger, ein Platz zum Verweilen, gut dass wir den gefunden haben. Nach ein paar Stunden haben wir schon angefangen zu rechnen, wann wir denn fahren müssen, um das was wir noch vorhaben auch hin zu bekommen. Wir haben die Rechnerei ziemlich schnell wieder dran gegeben, erst mal hier bleiben. Überlegt, was danach kommt, wird später.


Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 12. Januar 2011

Alles so schön bunt hier

Eine Woche Valparaiso ist vorbei, heute früh sind wir in Puerto Varas, im chilenischen Seengebiet angekommen, wir nennen das Nest bisher nur „Titisee“.

Nach Valparaiso fahren wir diesmal tagsüber, denn die Strecke von La Serena ist mit knapp acht Stunden vergleichsweise nah und da lohnt sich ein Nachtbus nicht, vor allem, weil wir damit sehr früh morgens in Valpo ankommen würden. Unser Hostel beziehen wir schnell, wundern und freuen uns über unser großes Zimmer mit hohen Decken und fragen uns, wann wir zuletzt so einen geräumigen Raum für uns hatten. Es ist jedenfalls schon einige Zeit her. Abends gehen wir noch etwas essen und dann doch recht früh ins Bett, Busreisen machen müde.

An unserem ersten richtigen Tag in Valparaiso schauen wir uns die Stadt etwas an. Wir wollen endlich für Susi eine neue Brille kaufen, damit sie wieder vernünftig lesen kann. Zunächst probieren wir es bei einem der vielen Optiker, aber dort sind nicht nur die Preise einigermaßen hoch, die fangen auch nur auf Rezept an zu arbeiten und so viel Aufwand will Susi dann doch nicht betreiben. Uns wird empfohlen, es in den großen Apotheken zu versuchen, was sich als ein ziemliches Herumgerenne heraus stellt, weil längst nicht alle Apotheken Brillen führen. Schlussendlich kaufen wir zunächst ein Fußballtrikot des ortsansässigen Clubs, den Santiago Wanderers, im übrigen der älteste Fußballclub Chiles mit Heimtrikot in hübschem dunkelgrün gehalten. Dazu kommt es, weil wir vor einem offensichtlich durchgeknalltem, wenn auch harmlosen Irren flüchten und dies tun, indem wir einfach in den Laden direkt neben uns rein spazieren, ein Sportgeschäft, so ein Zufall aber auch. Trikot gekauft, Bekloppter weiter gezogen, weiter geht’s zum Brille suchen. Wir werden dann an einem Straßenstand fündig, die Brille funktioniert mit Susis Augen ganz gut, sieht ok aus, natürlich nicht so ein edles Designerteil wie die mittlerweile wieder in Mittelfranken befindliche, und ist ziemlich günstig. Für die nächsten zwei Monate wird sie reichen. Auf dem Heimweg treffen wir zwei Jungs, die heute bei uns im Hostel eingezogen sind, sie sitzen gerade auf einer Parkbank und trinken Bier, wir dann auch, mit Plastiktüte um die Flasche herum, denn Alkohol in der Öffentlichkeit ist in Chile verboten. Die beiden Jungs sind aus Bern, sehr nett und ziemlich knuffig, weil liiert und mit diesem Thema sehr offen. Am Nachmittag ziehen wir los in den Supermarkt, kaufen ein, laufen noch etwas bei uns im Viertel oder besser auf unserem Hügel herum und kochen dann. Patrick, einer der beiden Berner isst mit, Matthias verweigert heute konsequent feste Nahrung. Dafür geht er dann ziemlich früh ins Bett – Pisco Sour, Bier, kein Essen – wir spielen mit Patrick noch eine ziemlich chaotische Runde „Freestyle-Yenga“ mit Turmaufbau ohne Regeln, wie es gerade gefällt. Nebenbei lernen wir noch zwei sehr junge Schweizerinnen kennen, die auch im Hostel wohnen, die sind ganz nett, aber passen irgendwie nicht ganz zu uns, zu jung und recht brav. Aber gut, sie sind nett, das ist dann ja vollkommen in Ordnung.

Am nächsten Tag ziehen Nina und Manuel, ein Paar aus der Nähe von Villingen-Schwenningen ein, sie sind ganz am Beginn ihrer einjährigen Hochzeitsreise, sie werden unsere Hostelgemeinschaft, die sich zusammenbraut, passend verstärken. Abends wird wieder gekocht, Patrick revanchiert sich mit Hühnchen in Zitronensauce, Champignons mit Speck und Salat. Er ist ein begnadeter Koch und es wird wieder ein lustiger Abend. Wieder einen Tag später bekommen wir Zuwachs durch zwei Schweizerinnen auf Südamerikatour, Renate und Lea. Diesmal sind wir wieder mit dem Kochen dran, es gibt Kartoffeln und Blumenkohl in Käse-Sahne-Sauce. Danach gehen wir noch alle acht zusammen Pisco Sour trinken, wechseln nochmal die Kneipe, als die gegen zehn zu machen und enden mit ein paar Flaschen Bier ab zwölf vor der Hosteltür, weil drinnen um elf Ruhe sein soll, es gibt keinen Raum, wo man noch lange sitzen kann, ohne die anderen Gäste aufzuwecken. Es wird laut, lustig, es gibt viel zu erzählen, viel zu lachen und es wird spät.

Der nächste Morgen hält ein verkatertes Frühstück und eine Einladung von Patrick zu Züricher Geschnetzeltem für den Abend bereit. Nina und Manuel machen Pisco Sour selbst, wieder wird es ein lustiger und lauter Abend, diesmal im Hostel, wir fangen heute einfach früher an. Wir wundern uns schon alle, dass das Hostel heute so leer bleibt. Die Auflösung kommt mitten in unsere ziemlich ausgelassene Runde hinein, als die Tür auf geht und eine Gruppe von neun Deutschen auf Gruppenreise einzieht. Sie stehen im Flur, wo auch der große Tisch für alle steht, wo wir gerade ausgiebig am feiern sind. Sie gucken ziemlich angesäuert und mein lautstarker Einwurf, dass das hier kein Partyplace ist, wird mit ungläubigen und mürrischen Blicken beantwortet. Für uns eher ein Grund, noch mehr Gas zu geben, als zuvor. Die Gruppenreise wird in ein Restaurant verlegt, wir haben den Laden wieder für uns. Gegen zehn dann die große Abreise: Matthias, Patrick, die beiden ganz jungen Schweizerinnen und zwei Australierinnen, die auch ganz nett aber leider etwas auf verlorenem Posten mit sonst nur deutschsprachigen waren, reisen gemeinsam ab. Alle haben den selben Bus, aber andere Ziele. Die Lage ist nun wieder normalisiert, irgendwie haben die beiden Berner richtig Stimmung mitgebracht, jetzt endet der Abend mit normaler Unterhaltung. Am nächsten Morgen ziehen Renate und Lea weiter und beim Frühstück ist eine merkwürdige Stimmung, weil die Gruppenreise gerade aufgestanden ist. Irgendwie wirken die alle sehr verschlossen und angenervt. Fragen zu ihrer Reise bekommen wir nur beantwortet, indem wir ihnen wirklich jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen. Naja, sollen sie halt machen, was sie wollen. Heute kochen wir nur für uns, es gibt nochmals Kartoffeln mit Blumenkohl, das hatten wir noch übrig, also machen wir das einfach noch mal. Nach den letzten Tagen, als wir uns Valparaiso genauer angeguckt haben, fahren wir an den Strand in der Nachbarstadt Vina del Mar. Schön ist das dort nicht, der Strand ziemlich voll, eher hässlich und das Wetter komplett verhangen. Am Strand essen wir Fritten, weil man das ja am Strand so macht. Die sind aber mäßiger Qualität und dauern ewig. Abends gehen wir mit Nina und Manuel essen, die am nächsten Morgen abreisen werden.

Nun bricht unser letzter Tag an, abends werden wir nach Puerto Varas fahren. Die Reisegruppe reist ab und sorgt nachträglich auch bei den Hostelbesitzern für Stirnrunzeln. Das Ganze war eine Singlereise und diese Reisegruppen machen immer dieselbe Tour, kommen immer nach rund drei Wochen im Casa Aventura in Valpo an und sind immer komisch drauf. Alda und Christian, die Hostelbetreiber, haben beide schon Gruppenreisen geleitet und kennen das Phänomen, dass nach rund zwei Wochen eine miese Dynamik in die Gruppen kommt. Der eine kann den anderen nicht leiden, es kommt oft zu Konstellationen Männer gegen Frauen, Grüppchenbildung, sie beneiden den Reiseleiter von eben nicht, wir auch nicht und die Reisenden auch nicht, vor allem nachdem wir den Preis erfahren haben. Für dreieinhalb Wochen Reise durch Chile gibt man 2.800 Euro aus, da ist aber noch kein Essen dabei.

Wir sind schon sehr gespannt auf unsere Busfahrt, denn wir haben mal wieder Premiere: Super Cama, da kann man die Sitze komplett flach legen und hat ein richtiges Bett. Zur groben Orientierung: Man nimmt einen dieser riesigen Doppeldeckerbusse, da passen unten bei Semi-Cama sechzehn Leute rein, vier Reihen a vier Sitze (2+2), bei Cama sind es nur noch zwölf, weil breitere Sitze und nur drei in einer Reihe, Super Cama oder auch Primeira Clase sind sechs Sitze, zwei Reihen mit drei Sitzen. Als wir in den Bus kommen, sind wir erst mal Baff, das klappt wirklich, man kann die Dinger komplett flach legen und sich ausstrecken, das wird ja eine gemütliche Tour in den Süden. Aber nach dem Busbahnhof Santiago und Einbruch der Dunkelheit kommt es noch besser. Der Stewart taucht auf und bereitet die Betten: Sitze flach, Fußteil hoch, eine Matratze kommt noch drauf und eine große Decke, wir haben richtige Betten und schlafen schnell gegen elf Uhr abends ein. Hallo Deutsche Bahn!

Um neun Uhr morgens wachen wir auf, weil der Bus an einem Busbahnhof anhält. Raus, Kippe rauchen, fragen, wo wir sind. Osorno, wir haben nur noch rund eine Stunde zu fahren und quasi zehn Stunden durchgeschlafen. Super! Pünktlich um zehn sind wir in Puerto Varas, beziehen unser neues Zimmer in einem hübschen Hostel wieder von einem Chilenisch-Deutschem Paar geführt. Wir gehen einkaufen, essen eine Kleinigkeit und drehen eine größere Runde durch das Kaff. Schnell haben wir einen Vergleich parat: Titisee, am schönen Titisee, im Schwarzwald, das hier ist ganz ähnlich, irgendwie ziemlich deutsch, sehr sauber, viel Tourismus, alles im Voralpenstil oder vielleicht doch eher wie im Schwarzwald. Die Hotels hier heißen „Ellenhaus“ und „Weißes Haus“, an vielen Läden stehen deutsche Namen, es gibt Gartenzäune und ordentliche Vorgärten und Leute, die Autos waschen. Und es gibt einen See und hinter dem ragt ein Vulkan durch die Wolken drumrum, das ist dann doch anders als in Titisee, aber sonst… Wir können uns noch nicht entscheiden, wie lange wir dem Nest eine Chance geben, wann wir wieder abhauen, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Ne, ich lese gerade Korrektur, es ist entschieden, am 14. hauen wir ab nach Ancud auf der Insel Chiloe, die Reservierung ist schon gemacht.

Es ist auf jeden Fall ein Kulturschock nach dem coolen Valparaiso, dort gab es an jeder Ecke Kneipen, Restaurants, Galerien, viel Kunst zu sehen. Die Stadt ist kunterbunt und vollkommen chaotisch gebaut. Sie zieht sich vom Meer um eine große Bucht auf viele Hügel hinauf, dort wird jeder Grund genutzt und teils abenteuerliche Konstruktionen errichtet. Jeder streicht sein Haus in kunterbunten Farben, wie er will, das gibt ein sehr lebendiges Bild. Überall sind Wandgemälde, steht Kunst herum, auch im öffentlichen Raum und sei es in From von Straßenlaternen, Mülleimern oder einfach so vor einem Haus. Die Stadt hat uns eine Woche lang immer wieder staunen lassen und uns sehr gut gefallen. Nicht nur das Hostelleben, die netten Leute dort und die ganzen leckeren Essen waren toll, auch die Stadt an sich. Valparaiso hat einen miserablen Ruf was Kriminalität angeht, vielleicht auch zu Recht, aber wir haben keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wir sind zumindest in unserem Viertel, auf unserem Hügel auch in die Hintergassen gegangen, haben viel Atmosphäre aufnehmen können und sind doch etwas traurig gewesen, als wir gestern Abend wieder gefahren sind. Am besten schaut Ihr euch die Fotos an, da bekommt Ihr einen besseren Eindruck, ich weiß gar nicht, welche ich auswählen soll. Tschüss Valpo, mach’s gut, bleib wie Du bist.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 4. Januar 2011

Kurznachricht

Gestern, am 02., hat es in Chile, ca. 600 km südlich von Santiago bei Temuco, ein Erdbeben Stärke 7,1 gegeben. Das Beben fand in 12 km Tiefe statt. Passiert ist nichts, keine Toten, keine Verletzten, keine sonderlichen Sachschäden. Wir waren zu dem Zeitpunkt sowieso mehr als 1.000 km entfernt und haben davon gar nichts mit bekommen, außer den Nachrichten darüber. Falls Ihr davon in den etwas gehört habt, braucht Ihr Euch also keine Sorgen machen, uns geht es bestens.

Wir sind heute in Valparaiso angekommen und haben für drei Tage unser Zimmer reserviert. Schon nach den ersten Stunden ist aber klar, dass wir länger bleiben werden. Die Stadt gefällt uns sehr, sehr gut. Vom Meer aus zieht sie sich diverse, steile Hügel hinauf. Es gibt viele, alte und schöne, bunte Häuser, Teile der Stadt gehören zum Unesco-Weltkulturerbe, es gibt tolle Kneipen, Cafés, Galerien, und bestimmt viel zu sehen. Unser Hostel wird von einer chilenisch-deutschen Familie geführt und ist ebenfalls sehr schön,wir haben ein wunderbares, großes Zimmer mit hohen Altbaudecken um die 3,50 m.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 2. Januar 2011

Fröhliche Weihnachten und ein geruhsames neues Jahr

Als erstes wünschen wir Euch allen ein gutes neues Jahr, viel Gesundheit und Glück.

Wir haben die Feiertage gut überstanden und sind wohlbehalten ins neue Jahr gerutscht, aber am einfachsten ist es, wenn ich alles der Reihe nach berichte, denn wir haben in der Zwischenzeit viel gesehen und viel erlebt.

Von San Pedro de Atacama fahren wir nach Calama. Weil wir in San Pedro keine Bustickets mehr nach La Serena bekommen haben, wollen wir im eher uninteressanten Calama eigentlich nur umsteigen. Der Plan geht nicht ganz auf, wir müssen dort übernachten und am nächsten Abend weiter fahren, vorher ist kein Bus zu bekommen. Wir nehmen uns ein teureres Zimmer als sonst, die günstigen Unterkünfte sind alles ziemliche Löcher und in der Stadt gibt es nicht viel zu sehen, so dass wir einen Platz haben wollen, an dem man sich auch tagsüber gut aufhalten kann. Calama ist das Zentrum des chilenischen Kupferbergbaus, eine langweilige, schmucklose Stadt. Malochergegend, viele schräge Gestalten, die Joggingbotzquote ist extrem hoch. Wir haben durchaus Mühe, die eineinhalb Tage rum zu bringen, aber am Abend des zweiten Tags geht es dann auf die sechzehnstündige Reise Richtung Süden, mal wieder mit einem edlen Bus, Kunstledersitze, flatschneu, massig Platz, alles wieder sehr entspannt.


So kommen wir in La Serena also direkt an Heiligabend an, mittags, wir können noch einkaufen gehen. Gleich beim Beziehen des neuen Hostels werden wir gefragt, ob wir abends auch an der hausinternen Weihnachtsfeier teilnehmen wollen, es wird gegrillt werden und ein großes Essen für alle geben. Da sagen wir natürlich zu. Wir stürzen uns trotzdem in den nahe gelegenen Supermarkt „Jumbo“, der ist logischerweise ziemlich voll und tatsächlich „Jumbo“, also riesig. Es gibt dort so eigentlich alles, sogar deutsche Produkte, Brot „Typo Alemana“ mit Körnern drin, zwanzig Meter Joghurt, von denen kein einziger Joghurtkulturen sondern alle Gelatine enthalten, viele verschiedene Käse – Schlaraffenland. So etwas haben wir zuletzt ansatzweise in Südafrika gesehen und davor in Deutschland und das ist ja schon etwas her. Die noch größere Überraschung folgt an der Kasse: Keine langen Schlangen, hier haben fünfzig Kassen geöffnet und man muss nur sehr kurz warten. Wir denken an die Supermärkte zuhause vor Weihnachten. Dort ist es genau so voll, enger und man steht mindestens eine halbe Stunde an der Kasse an. Dagegen ist das hier entspannt. Abends dann die Weihnachtsfeier, es wird eine große Tafel aufgebaut, der Grill angeworfen und alle essen zusammen: Maria, die Besitzerin des Ladens, ihre drei erwachsenen Söhne, deren Frauen, alle Gäste. Eine lustige Runde, die nach zwölf völlig entgleist. Musik wird aufgelegt, Maria ist die erste, die das Tanzbein schwingt und sich ständig andere Leute vom Tisch zum Tanzen zieht, die Party wird richtig ausgelassen, alle schwingen fleißig mit bei Salsa und Discomusik, die Anlage wird kräftig aufgedreht, die Nachbarn sollen schließlich auch etwas davon haben, es gibt Tanz bis morgens um vier. Wahnsinn, so ein Weihnachten hatten wir noch nie. Nichts mit „Stille Nacht“, party on ist angesagt. Und wir hatten schon etwas Bammel, wie wir Weihnachten zu zweit verbringen werden und wie das für uns sein mag.


Wir haben eine tolle Truppe im Hostel, alles offene und kontaktfreudige Leute, so dass sich am ersten Feiertag, leicht verkatert, ein komplettes Hostel auf Ausflug nach Andacollo begibt. Alle rein in einen der vielen Busse und ab geht es zu einem der wichtigsten chilenischen Wallfahrtsorte. Hier steht die „Jungfrau von Andacollo“ zu deren Ehren es Weihnachten ein mehrtägiges, großes Fest gibt. Der Legende nach hat ein indigener Minenarbeiter (in der Gegend gibt es große Goldvorkommen) eines Nachts einen Traum, in dem ihm eine Stimme sagt, dass ganz in der Nähe große Reichtümer auf ihn warten, die genaue Stelle wird praktischerweise gleich mit angezeigt. Der Leibeigene berichtet dies seinem Herrn und der befiehlt ihm zum benannten Ort zu gehen und den Schatz zu bergen, andernfalls wird er ihm die Ohren abschneiden. Der Indio macht sich auf und findet die Statue der Jungfrau. Diese sorgt fortan für etliche Wunder und wird seitdem von Gläubigen aus dem ganzen Land aufgesucht. Speziell an Weihnachten kommen Menschen von überall her, es werden Tänze der Indios aufgeführt, Musikkapellen spielen, Pilger laufen viele Kilometer den Berg hinauf und rutschen auf Knien durch die Kirche. Ein riesiges, buntes, lautes Spektakel.


Wir bleiben noch bis zum 27. in La Serena, die Familie hier ist klasse, die Gäste passen alle gut zusammen. Wir überlegen, was wir Silvester machen wollen. Klar ist, wir wollen vorher nach Pisco Elqui in einem schönen Tal nicht weit von hier. Das ist aber ein Kaff und für die Neujahrsfeierlichkeiten ist uns dort zu wenig los. Die Alternativen wären, nach Valparaiso zu fahren oder wieder hier bei Maria und ihrer Familie zu feiern. Es stellt sich heraus, dass Valparaiso die Silvesterhauptstadt Chiles ist, es ist aussichtslos, dort noch ein Zimmer zu bekommen, also entscheiden wir uns, in La Serena auch über den Jahreswechsel zu bleiben.

Pisco Elqui ist eine Weinbaugegend, ein wunderschönes, grünes Tal in den Bergen. Dort werden Muskatellertrauben angebaut, aus denen dann Pisco, der chilenische Nationalschnaps gebrannt wird. Außerdem ist die Gegend voll mit Hippies, in Pisco Elqui geht es noch, krass muss es in Cochiguaz, nicht weit entfernt, sein. Dort wohnen mehrere Tausend Hippies, auf dem Dorfplatz steht eine große Pyramide und die Leute dort sind mit Außerirdischen in Kontakt, so erzählt es uns Pancho, einer von Marias Söhnen, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Pisco Elqui ist ein verschlafenes Nest, viel zu sehen gibt es nicht, aber wir haben eine wunderschöne Unterkunft, ein winziges Zimmer, aber einen riesigen Garten. Hier treffen wir Kristin aus Bochum wieder, die schon in La Serena mit uns im selben Haus gewohnt hat. Gemeinsam mit ihr, einer Französin auf Langzeitreise und zwei Chilenen aus Santiago besuchen wir am zweiten Abend ein Observatorium in der Nähe. Die Gegend ist weltberühmt für astronomische Beobachtungen und der Sternenhimmel hier ist tatsächlich gigantisch. Wir haben noch niemals zuvor so viele Sterne gesehen, im Observatorium wird uns das genauer erklärt, leider auf Spanisch, von daher verstehen wir nicht viel, aber wir dürfen uns einige Sachen durch das große Teleskop anschauen. Es wird klar, dass viele Sterne am Himmel tatsächlich ganze Nebel oder Sternenhaufen sind, die meisten Sterne, die wir einzeln wahr nehmen, sind in Wirklichkeit zwei Sterne, es ist alles sehr spannend.


Mit derselben Ausflugsgruppe verabreden wir uns für den nächsten Abend zum Grillen. Es wird ein lustiger Abend, mit viel Essen, viel Trinken, wir spielen noch stundenlang Yenga nach chilenischen Regeln und haben sehr viel Spaß. Wir trainieren unser Spanisch und bekommen mittlerweile doch zumindest die groben Unterhaltungspunkte ganz gut mit, wir haben schon viel dazu gelernt. Claudio arbeitet in Santiago für die staatliche Flughafengesellschaft als Systemanalytiker SAP. Er erzählt mir, dass ich doch einfach hier bleiben könnte, SAP-Programmierer werden massiv gesucht und sie bekommen keine Leute. Ich bräuchte bloß bei seinen Chefs vorsprechen und hätte, schwupps, einen super Job in Santiago. Nein, es ist mittlerweile ganz klar, dass wir wieder nach Deutschland und Fürth zurück gehen werden, aber schön für das Ego ist so ein Angebot dann doch.


Am Tag vor Silvester fahren wir wieder zurück nach La Serena. Die Hostelbesatzung ist mittlerweile natürlich komplett ausgewechselt, irgendwie nicht mehr so kommunikativ wie noch ein paar Tage zuvor. Es gibt zwei französische Paare, die eng zusammen hängen und in ihre Gruppe keinen so richtig rein lassen. Dann ist noch ein anderes Paar da, das eigentlich nur in ihrem Zimmer sitzt und mit überhaupt niemandem redet, keiner weiß, von wo die kommen und was die machen. Kommunikation findet nur durch „Hallo“ sagen statt. Aber egal, es gibt ja noch die Familie und die freut sich, uns wieder zu sehen.

Silvester fahren wir tagsüber in die Nachbarstadt Coquimbo, dort gibt es einen großen Fischmarkt und es ist wirklich toll dort. Wir erleben die komplette Kette, vom Meer bis in unseren Bauch. Die Fischerboote kommen in den Hafen herein und werden entladen. Gleich an der Hafenmole werden die Fische zerlegt, nicht immer ein besonders appetitlicher Anblick. Die Abfälle werden ins Meer geworfen, dort warten schon die Seelöwen, Möwen und Pelikane. Wir sehen sehr viele der großen Vögel, machen ein paar schöne Fotos von ihnen. Die Seelöwen warten im Wasser auf weitere Fischreste oder liegen an Land faul in der Sonne rum. Immer wieder streiten sich zwei oder spielen miteinander und machen dabei lautes Gebrüll. Neben dem eigentlichen Fischereihafen befindet sich die große Markthalle, Massen von frischem Fisch, Unmengen von Meeresfrüchten werden angeboten, es ist alles sehr frisch und sieht köstlich aus. Ein zweiter Teil der Markthalle beherbergt viele Restaurants, wir essen hier ganz hervorragend und günstig zu Mittag. Unterhaltung inklusive, die Kellner werben um Kunden, singen lauthals, tragen pausenlos zur Belustigung bei. Ein toller Ausflug.


Die Familie möchte heute Abend kein großes Fest schmeißen, wir überlegen mit den anderen Gästen, was wir abends machen. Die vier Franzosen wollen grillen und sagen, wir könnten denn Grill dann ja nach ihnen benutzen. Die Aussage kommt mir etwas komisch vor, weil der Grill sehr groß ist, da können wir ohne weiteres alle gleichzeitig unser Essen zubereiten, aber ich führe diese Aussage mal auf beschränkte Englischkenntnisse zurück. Wir besprechen uns, dass wir alle unser Grillgut selbst besorgen, noch andere Sachen wie Salate machen und dann zusammen feiern werden. Wir gehen einkaufen, machen Nudelsalat auf deutsche Art, in Coquimbo hatten wir noch beim Angebot von zwei Kilo Erdbeeren für tausend Peso (ca. 1,50 Euro) zugeschlagen. Susi, wer sonst, zündet den Grill an, ich schlage den Franzosen vor, doch die einzeln stehenden Tische zu einer langen Tafel zusammen zu stellen. Keine Antwort ist auch eine Antwort, mir langt’s, sollen sie doch ihr „Wir bleiben aber unter uns“-Süppchen kochen. Als das Feuer so weit ist, ist noch keiner fertig mit seinen Vorbereitungen. Susi und ich grillen also schon mal, essen zusammen mit einer Schweizerin. Drei Kanadier und eine Chilenin gesellen sich dazu, sind aber nebenbei noch am kochen, es wird klar, heute geht hier keine große Gemeinschaftsparty zusammen. Wir gehen gegen elf mit Laurence, der Schweizerin, Pancho und seiner deutschen Freundin Nicole zu fünft zum Strand, dort sollen die großen Feierlichkeiten der Stadt steigen. Es wird voll und für uns herrscht trotz der vielen Menschen eine ungewohnte Ruhe für Silvester. Erst später wird es uns klar, es gibt hier kein privates Feuerwerk, dies ist strengstens verboten und wird scharf überwacht. Sehr angenehm, man bewegt sich mitten in einer Menschenmasse, es geht auf zwölf Uhr zu und man muss nicht Angst um sein Leben oder zumindest seine Augen überall haben. Um zwölf startet dann das offizielle Feuerwerk, ziemlich groß, choreographiert, eine sehr entspannte Art Silvester zu feiern. Und es sind nur sehr wenig betrunkene unterwegs. Alkohol in der Öffentlichkeit ist in Chile ebenfalls nicht erlaubt, für Silvester ist dieses Verbot erstmals ausgesetzt worden. Bloß die Leute sind es nicht gewohnt, auf der Straße zu trinken, von daher bilden wir mit unserer Bierflasche schon fast eine Ausnahme. Es ist ein komisches Gefühl, hier Silvester zu feiern, vorhin um neun Uhr chilenischer Zeit hatten wir noch bei Beate angerufen und mit ihr, Doris, Torsten und Harry kurz gesprochen. Sie waren schon im neuen Jahr, als bei uns noch nicht mal das Fleisch auf dem Grill lag. Nach dem Feuerwerk wollen Nicole und Pancho sich noch mit Freunden treffen, wir entscheiden uns, zurück zu gehen. Im Hostel ist niemand, die Familie ist ausgeflogen, die anderen Gäste auch. Egal, so turbulent die Party an Heiligabend war, so ruhig ist also unser Silvester. Wir gehen also früh um halb drei ins Bett, der Vorteil, kaum Kater am nächsten Tag.


Wir wollen noch bis morgen, 2., oder übermorgen hier bleiben und dann nach Valparaiso fahren. Vielleicht kommt dann noch Santiago dran, bevor wir in den chilenischen Teil Patagoniens aufbrechen.

Zum Schluss noch einmal der Hinweis auf unsere Fotoseite, da gibt es noch viel mehr Fotos zu sehen.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 21. Dezember 2010

Organisiertes Reisen

Ja, wir haben es getan, wir haben uns einer Tour angeschlossen. Und es hat sich gelohnt, denn das was wir zu sehen bekommen haben, hätten wir auf eigene Faust niemals erreichen können. Gut, mit eigenem Geländewagen, mit GPS, mit einer guten topographischen Karte (Hahaha! In Bolivien!)… Vielleicht! Nein, die Tour hat uns immer wieder staunen lassen und uns total begeistert.

Zunächst treffen wir uns mit Heidi und Mirco in La Paz, zeigen ihnen, was wir von der Stadt schon kennen und verbringen ein paar schöne Tage zusammen. Wir gehen abends gut essen und unterhalten uns gut. Und wir verschicken mal wieder ein Paket. Ein wundervolles Erlebnis, wenn ich irgendwann mal wieder ein Paket versenden möchte, ich glaube, ich fahre dafür nach La Paz. Wir gehen zur Hauptpost, bewaffnet mit zwei Paketen, eins für Conny, die ein paar Einkäufe in La Paz nicht gemacht hat, und eins für uns, mit dem wir unsere Fänge heim schicken wollen. Es geht in den Keller der eher schmucklosen Post. Dort ist das Paketbüro und drin eine ältere Frau, die mit pausenlosem Geschnatter und viel Freundlichkeit sofort aktiv wird. Ich werde wieder nach oben geschickt, zwei Passkopien machen lassen. Ich habe schon Befürchtungen, jetzt würde die Bürokratie noch erbarmungsloser als in Salta zuschlagen, aber das ist es auch schon fast. Als ich wieder runter komme, steht Susi dort mit der Postfrau und beobachtet, wie unsere Päckchen fachfraulich in blaue Plastikbahnen eingenäht werden. Wir müssen ein paar Adresszettel ausfüllen, die werden aufgeklebt und ebenfalls kräftig mit Klarsichtfolie überzogen. Als Absender müssen wir unsere Adresse in Deutschland angeben, was beim größeren Paket gleich mit dem Empfänger ist, nur der Name ein anderer. Und fett muss an die Seite: „Do not return to Bolivia“ geschrieben werden. So schöne Pakete haben wir noch nie gehabt, das Eingenähte übersteht jede Schifffahrt und jeden noch so rauen Flugzeugtransport. Dazu die immer munter auf uns einzwitschernde, sehr freundliche Frau von der Post. Wir sind richtig begeistert.


Montag sind wir noch mit Heidi und Mirco bei einer Reiseagentur, die die Uyunitouren auch mit Endpunkt in San Pedro, in Chile anbieten. Wir wollen dort hin, die anderen beiden zurück nach Uyuni und La Paz. Es klappt, uns wird versprochen, dass wir trotzdem zusammen fahren können. Wir werden halt an der Grenze raus geworfen, dort von den Chilenen aufgesammelt und die anderen beiden fahren normal zurück nach Uyuni. Dienstag geht dann die Reise los, wir fahren mit dem Bus nach Oruro, haben uns vorher entschieden, dort nicht zu übernachten, was sich vor Ort als gute Idee heraus stellt, denn das Städtchen sieht weder nett aus, noch scheint dort irgendetwas los oder interessant zu sein. Dreieinhalb Stunden Busfahrt, in Oruro kurz Mittagessen, dann geht unser Zug nach Uyuni. Endlich mal wieder mit dem Zug reisen. Ebenfalls eine gute Entscheidung, denn die Straße, die neben der Bahnstrecke verläuft, ist eine Katastrophe. Reine Staubpiste, tiefe Schlaglöcher, nichts für eine geruhsame nächtliche Busfahrt. Gegen half elf abends sind wir dann dort. Direkt gegenüber vom Bahnhof gibt es zwei Hotels, in einem werden wir mit zwei Zimmern fündig. Noch kurz um die Ecke auf einen Absacker, und eine weite, aber sehr angenehme Reise findet ihr Ende. Morgen soll es los gehen, wir sind gespannt.

Mittwoch früh finden wir uns also beim Büro von Colque Tours in Uyuni ein, um elf geht es los. In der Agentur herrscht hektische Betriebsamkeit, insgesamt kommen sechs große Toyota Landcruiser mit je sechs Personen zusammen. Wir fahren mit Heidi, Mirco, einer Frau aus Sao Paulo sowie einem Israeli zusammen. Das Gepäck wird aufs Dach geladen, wir bekommen Schlafsäcke und starten zu unserer ersten Station, etwas außerhalb von Uyuni, einem Eisenbahnfriedhof. Mitten in der Wüste stehen alte, verrottende Dampfloks und Eisenbahnwagen. Eine merkwürdige Szenerie, ein Haufen Schrott, gammelt im Sand und Staub vor sich hin. Auf dem Weg zurück im Städtchen wird unser Essen eingeladen. Weiter geht es zum großen Salzsee, dem Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Erde. Am Rand des Sees sind Salzhaufen, die dort abgebaut werden, in einem Dorf am Rand des Salars wird gezeigt, wie die Salzgewinnung passiert. Erst wird das Salz abgebaut und an der Luft getrocknet. Es folgt ein zweiter Schritt zum Trocknen auf einer heißen Steinplatte, dann wird gemahlen, jodiert, verpackt und die Plastiktüten mit fertigem Küchensalz über dem Feuer zugeschweißt. Es stinkt ziemlich nach verbranntem Plastik, Arbeit für Kinder. Wir fahren weiter auf den Salzsee, so weit man gucken kann nur Salz, alles komplett flach. In der Ferne taucht ein Haus mitten auf dem Salar auf, ein illegal errichtetes Salzhotel, heute still gelegt und nur noch als Museum in Betrieb. An allen Stationen bisher, und das soll die nächsten drei Tage so bleiben, sammeln sich etliche Tourgruppen, immer in den gleichen Autos, immer mit sechs Personen besetzt. Wir zählen teilweise dreißig Geländewagen. Wir fahren weiter, eine Stunde über den See, in der Ferne eine Insel, sie sieht aus, als würde sie in der Luft schweben und sich spiegeln, optische Täuschung. Hier machen wir Mittagspause, Andres, unser Fahrer, tischt Salate und Fleisch auf. Danach bekommen wir noch eine Stunde Zeit, die Insel zu erklimmen und haben von oben einen tollen Blick. Rund um uns herum ist alles weiß, weit am Horizont ein paar Berge, in manche Richtungen kann man aber das Ende des Salars nicht sehen. Nach unserer Pause müssen wir uns beeilen, wir benötigen noch eine Übernachtungsmöglichkeit. Nach mehreren Fehlversuchen direkt am Rand des Salzsees müssen wir weiter fahren, in ein kleines Dorf namens San Juan. Dort findet Andres dann Zimmer für uns. Wir haben Glück und bekommen noch zwei Doppelzimmer und müssen so nicht im Schlafsaal pennen. Wir können noch etwas im Dorf herum laufen, sehen Lamas ganz aus der Nähe, abends gibt es etwas zu essen und dann bald ins Bett, am nächsten Morgen ist Aufstehen um sieben Uhr angesagt.


Donnerstag, sieben Uhr, alle sind pünktlich aus den Federn. Andres, unser Fahrer hat wie gestern noch heftige Zahnschmerzen, Susi und Heidi dopen ihn munter mit Schmerzmitteln, das hilft einigermaßen. Er verspricht Heidi, am Mittwoch nach der Rückkehr nach Uyuni gleich zum Zahnarzt zu gehen. Ich halte das für Quatsch. Die erste, kurze Station ein weiterer, kleiner Salzsee, nach dem Salar de Uyuni nicht sonderlich spannend. Spannender ist für die meisten Touris eher Fotos auf den daneben her führenden Eisenbahnschienen zu machen. Auch ich spiele Castorblockierer und lege mich für ein Foto quer drauf. Dies ist nur ein kurzer Stopp, weiter geht es zu vom Wind geformten Gesteinsformationen und dem Vulkan Ollagüe, der Vulkan ist noch aktiv und raucht im Hintergrund schön. Mittlerweile sind wir auch schon von gut 3.600 (Salar) auf mehr als 4.200 Meter geklettert, die Luft wird spürbar dünner. Die Mittagspause findet heute an einem See, dem Chiar Khota statt. Hier bekommen wir die ersten Flamingos zu sehen, tausende der langbeinigen Vögel stehen im Wasser. Reichlich depperte Amis plärren gleich daneben rum und versuchen sie durch Klatschen aufzuscheuchen. Das Essen ist heute Mittag ausnehmend lecker, diverse Salate, schmeckt alles ganz toll. Nach einer guten Stunde Aufbruch, Mirco hat sich mit Dietmar unterhalten, der bisher an jeder Station von seinem Vater in laut-tadelndem Ton gerufen wurde („DIETmar!!! Die Viertelstunde ist vorbei! DIETmar, kommst Du endlich?), er ist nicht zu beneiden, muss aber hier nicht gerufen werden, später dann wieder. Eine weitere Lagune mit Flamingos, die Laguna Hedionda, 4.125 Meter. Hier gibt es eine Ecolodge, weder „Öko“ noch „Lodge“ werden uns klar bei den ärmlichen Häuschen am See. Ab hier geht es jetzt steil nach oben, die Piste wird zu einer weiten Fläche auf der sich jeder selbst seine Spur sucht oder macht. Wir überqueren den Paso del Inca, auf rund 4.800 Meter Höhe. Ein kurzes Aussteigen genügt hier, zu sehen gibt es nicht viel außer tollen Bergen um uns rum. Unser israelische Mitreisender macht uns etwas Sorgen, er ist ziemlich blass um die Nase, er sagt, ihm geht es gut, wir können das nicht wirklich glauben. Passieren wird aber während der Tour nichts mit ihm, es geht alles glatt. Kurz hinter dem Pass, immer noch auf gut 4.700, der Arbol de Piedra, Gesteinsformationen, die manchmal wie Bäume geformt sind, der Wind hat hier ganz tolle Kunstwerke geschaffen. Wir klettern etwas drauf rum, diesmal werde ich von Susi ermahnt, nicht zu waghalsig zu werden, bei der Höhe kann es einen schnell mal drehen. Weiterfahrt, am Nachmittag erreichen wir die Laguna Colorada, hier werden wir übernachten. Als erstes beziehen wir unser Sechs-Bett-Zimmer, es wird schnell klar, hier wird es heute Nacht ziemlich kalt werden, wir sind immer noch auf 4.278 Metern, die größte Höhe in der wir jemals übernachtet haben. Die Lagune hat ihren Namen zurecht wegen ihrer roten Farbe. Rot? Ja, wir können es kaum glauben, der See ist knallrot! Nicht leicht rötlich eingefärbt, nein richtig knallig rot, als wenn jemand beim Bildbearbeitungsprogramm auf eine falsche Farbe gedrückt hat. Doch hier ist keine Schummelei im Spiel, wir sehen das ja direkt vor uns, und auch das Abnehmen der Sonnenbrille bringt dasselbe Ergebnis: Dieser See ist rot und in ihm stehen tausende rosa Flamingos. Wir unterhalten uns darüber, dass uns das keiner glauben wird und wenn wir Fotos zeigen werden, wird jeder „Photoshop“ sagen. Wir bereiten uns auf die sehr kurze Nacht vor, morgen werden wir um vier Uhr geweckt werden. Es gibt Essen, zum Glück war unser Mittagessen gut und reichhaltig. Die Betreiber des Refugios bekommen entweder nicht genug Geld von den Tourveranstaltern oder sind geizig bis über den Hals: Nudeln mit einer Soße aus Zwiebeln und Dosentomaten. Es schmeckt grausig, nach rund der Hälfte reicht es mir, ich habe heute noch, vier Tage später, den ekligen Geschmack im Mund, wenn ich daran denke. In unserem Schlafsaal wird es in der Nacht natürlich entsprechend duften, wir haben gar keine Lust, ins Bett zu gehen. Wir spielen zu viert noch Karten, Susi und Heidi denken darüber nach, durch zu machen. Mirco und ich können sie davon abbringen. Irgendwann wird das Holz für den Ofen zur Neige gehen, eigentlich ist schon alles verbrannt, als wir ins Bett gehen, und dann wird es schweinekalt werden. Minusgrade sind angesagt und die Isolierung der Hütte besteht aus einem Wellblechdach. Wir gehen also gegen zehn, halb elf schlafen. Ich komme nicht zur Ruhe, die Höhe, die dünne Luft, die vielen Erlebnisse der letzten Tage, der Ärger über den Schlagenfraß, neben mir schnarcht jemand hin und wieder, vielleicht schlafe ich in dieser Nacht zwei Stunden.


Freitag, das Aufstehen klappt um vier Uhr morgens noch nicht so richtig, wir beschließen einfach, dass wir erst aus den Federn kriechen, wenn Andres uns wecken kommt. Er hatte sich am Abend vorher gar nicht mehr blicken lassen, keine Informationen für den Morgen mehr durchgegeben, vielleicht kann er ja gar nicht fahren. Er muss, sonst kann er seinen Job vermutlich an den Nagel hängen. Nach einer halben Stunde kommt er, weckt uns, sagt dass wir los fahren. Packen, Zähne putzen, los geht’s. Es ist schweinekalt! Zwei Pullis, eine Regenjacke, ich friere wie bescheuert. Toll, dass die Heizung in unserem Auto nicht funktioniert, hilft also auch nicht. Wir kommen zu Geysiren, überall brodelt und dampft es. Ich steige kurz aus, halte meine kalten Füße über einen künstlich geschaffenen Dampfstrahl, aber dann wieder ins Auto. Geysire hab ich schon mal auf den Azoren gesehen, alle anderen sind total begeistert. Die zweite Station bringt uns zu einem Pool mit warmen Quellen. Drin sitzen zig Touris in Badehosen und Bikins. Andres fragt, ob wir auch baden wollen. Wollen wir nicht. Dazu müsste man sich ausziehen, Badesachen an und dann da rein und vor allem danach wieder raus in die Kälte. Ne, lass mal. Neben dran liegen Eisplatten auf dem Boden. In einem See daneben, Flamingos, mittlerweile nichts besonderes mehr. Wir fahren weiter zur Laguna Verde, die wird ab ca. elf Uhr grün werden, wir sind aber zu früh, haben ja nicht gebadet. Weiter geht es zur Laguna Blanca, ein See, der weißlich schimmert, hier gibt es Frühstück. Aber was machen die Betreiber des kleinen Restaurants? Haben einen Ofen im Esszimmer stehen und machen den nicht an. Es ist immer noch schweinekalt, draußen kommt die Sonne langsam durch, es ist also draußen wärmer als im Haus. Ich bin immer noch muffelig, weil ich friere. Unsere Reise durch Bolivien neigt sich dem Ende entgegen, die nächste Station ist die Grenze zu Chile. Grenze? So etwas habe ich noch nie gesehen. Rund 4.700 Meter Höhe, zwei Häuser. In einem ist der bolivianische Grenzposten untergebracht, im anderen wohnt der Grenzer mit seiner Familie. Es gibt einen Schlagbaum und auf der anderen Seite ein Schild „Republica de Chile“, mit Schusslöchern. Hier endet unsere gemeinsame Reise mit Heidi und Mirco, wir lassen uns aus stempeln, sind jetzt offiziell nirgendwo. Das Gepäck wir abgeladen, hier müssen wir auf den Bus von Colque Tours aus San Pedro de Atacama in Chile warten. Die anderen fahren wieder weg, zurück nach Uyuni. Abschiedsszenen, wir werden uns in Mittelfranken wieder treffen. Nach rund einer Stunde kommt der Bus von der anderen Seite, der Kulturschock beginnt. Im Radio des Busses läuft europäische Popmusik, der Busfahrer spricht hervorragend Englisch, sagt, wir sollten ruhig tanzen. Lebensfreude, wie wir sie in Bolivien nicht ein einziges mal erlebt haben. Wir müssen noch auf weitere Touren warten, als alle da sind, geht es los Richtung San Pedro, dort wird die Einreise für Chile gemacht. Unmittelbar hinter dem Schlagbaum eine befestigte Erdpiste, so eine gute Straße hatten wir während der gesamten Tour nicht. Aber es kommt noch besser, nach acht Kilometern kommen wir auf eine richtige Straße, mit Teer oben drauf. Unglaublich. Es geht steil den Berg runter, San Pedro liegt auf knapp 2.500 Metern, wir sehen von den Bergen die riesige, trockene Atacamawüste. Ankunft in San Pedro, Einreise, alles ist wohl geordnet, schließlich gelten die Chilenen als die Deutschen unter den Südamerikanern. Jeder muss sein Gepäck öffnen, es wird nach Lebensmitteln gesucht, streng verboten in Chile einzuführen. Im Zentrum von San Pedro de Atacama endet unsere Tour vor dem Büro von Colque Tours.


Auf der Fahrt von der Grenze nach San Pedro ist Susi aufgefallen, dass sie ihre Brille verloren hat. Wir denken nach und kommen zu dem Schluss, dass sie mit größter Wahrscheinlichkeit im Auto liegt. Der Schlachtplan: Erst Zimmer suchen und beziehen, dann Geld besorgen und danach zu Colque Tours und versuchen, dass Andres die Brille den beiden Andorfern mit gibt. Das Ding war teuer und ein schmerzlicher Verlust. Also zunächst ein Zimmer her. Wir sind kaum aus unserem Bus ausgestiegen, haben wir schon einen Haufen von Zimmervermittlern am Hals, wir nehmen zwei Flyer mit, zwei Häuser, die für San Pedro sehr günstige Preise haben, denn hier soll es so richtig teuer sein. Unsere erste Wahl hat kein Doppelzimmer frei, wir steuern den zweiten Laden an. Auf dem Weg gucken wir uns zwei weitere Unterkünfte an, der eine ist klar zu teuer für uns, der andere, betrieben von einer Französin, macht einen guten Eindruck und sie sichert uns einen guten Preis von 16.000 Peso zu, rund 25 Euro. Der nächste Laden hat wieder kein Doppelzimmer, der danach ist voll, wir gehen zurück zur Französin und ziehen dort ein, scheint alles zu passen. Geld holen, klappt problemlos. Bei Colque Tours sitzt ein engagierter Mensch, er ruft sofort in Uyuni an, sagt denen, dass Andres die Brille suchen und sie dann bei Heidi und Mirco vorbei bringen soll, sie sollen sie mit nach Deutschland nehmen. Er bestellt uns für abends sieben Uhr, sechs Uhr bolivianischer Zeit, wieder zu sich, dann werden die anderen angekommen sein. Wir hoffen. Die Küche unseres Hostels stellt sich als ziemlicher Schrott heraus, wir kochen dort trotzdem leidlich. Ein Gast klärt uns auf, dass der Kühlschrank kaputt ist, immerhin kälter als Außentemperatur. Es ist warm! Richtig warm, so warm wie seit Argentinien nicht mehr, wir laufen wieder in Sandalen, brauchen keinen Pulli mehr. Hurra!!! Unsere Gastgeberin eröffnet uns, dass am Abend ein Konzert sein wird, na toll, es war von einem ruhigen Laden die Rede, wir wollten eigentlich in Ruhe schlafen. Susi checkt uns ein, von den 16.000 Peso will Madame auf einmal nichts mehr wissen, 18.000 ist der Preis, die dumme Sumpfkuh geht uns langsam aber sicher auf den Geist. Diverse Versprechungen, die nach kurzer Zeit nichts mehr wert sind. Außerdem sind wir hier die totalen Außenseiter, es gibt hier fast ausschließlich Franzosen. Uns reicht es, morgen werden wir umziehen. Aber vorher noch zum Colque-Büro, wir kommen dort an und es wird gerade wegen Susis Brille mit Uyuni telefoniert. Ergebnis: Heidi und Mirco haben die Brille und nehmen sie mit nach Deutschland. Schnell den Franken eine Mail schicken und dann feiern gehen! Im Hostel ist sowieso ein doofes Trommeljazzkonzert, die Schnepfe des Ladens geht uns auf den Keks, also ab in eine der vielen Kneipen von San Pedro. Wieder ein Kulturschock! Ein schwuler Kellner, laute Musik, Bar-DJing, eine Frau in Lederweste, selbstbewusste Menschen, schon die Körperhaltung von einigen wäre in Bolivien nicht denkbar. Leute die Party machen, tanzen, so was haben wir in Bolivien nirgendwo gesehen. Chile ist reich, die Leute sorgenfreier als ihre Nachbarn, man merkt es deutlich.

Am nächsten Tag ziehen wir um, wir landen in dem Laden, in dem wir uns zuerst informiert hatten, sie haben jetzt ein Doppelzimmer für uns. Die Tante von der „Rose von Atacama“ macht nicht den Eindruck, als wäre sie sehr traurig, uns los zu sein. Vermutlich steht die genau so auf uns, wie wir auf sie. Nach dem Umzug fällt mir auf, meine Sonnenbrille ist weg. Ein sackteures Rodenstock-Teil mit optischen Gläsern. Ich denke nach, im Internetcafe (Frankreich hatte kein WiFi zu bieten), als wir schnell den Andorfern eine Mail geschickt haben (wegen Susis Brille), habe ich sie auf den Tisch gelegt. Glücklicherweise ist sie dort immer noch, im Schreibtisch vom Betreiber. Wir lernen, dass wir mehr auf unsere Sehhilfen acht geben müssen. Hier sind wir jetzt also, genießen rasend schnelles Internet (ein Tempo wie seit Malaysia nicht mehr), fühlen uns in San Pedro, einem Nest, das den Titel „staubiges Wüstenkaff“ mit Vehemenz verdient, sehr wohl. Denn das Kaff ist nicht nur staubig, in der Wüste und ziemlich klein, es ist auch ziemlich viel los hier. Starke Orientierung Richtung Tourismus macht es möglich. Trotzdem haben wir uns gefragt, wo wir Weihnachten feiern wollen. Hier nicht, dann so lange wollen wir nicht bleiben (zu sehr Kaff). Wir haben uns für La Serena entschieden, an der Küste, ein gutes Stück Richtung Süden. Ein Problem stellt sich aber, der direkte Bus von hier dorthin fährt zuletzt am 21., heute, und er ist ausgebucht. Wir haben also Karten bis in die nächste größere Stadt, Calama, für morgen gekauft. Dort müssen wir dann weiter sehen, dass wir mit dem Nachtbus nach La Serena kommen, ab dem 23. haben wir dort ein Zimmer reserviert. Wird schon klappen.


Apropos Weihnachten: Wir haben erst ein mal, in Uyuni beim Absacker nach der Ankunft, Weihnachtslieder gehört. Es gibt immer wieder mal künstliche Tannenbäume, aber Weihnachtsschmuck auf allen Straßen, wild blinkende Leuchtfeuer wie am Flughafen, Bedudelung rund um die Uhr und an allen Orten? Nichts da. Das, was ich an Weihnachten hasse, dass man dem nicht entfliehen kann, dass man ab Mitte November davon regelrecht verfolgt wird, eben der ganze kommerzielle Mist und der ganze Druck, zu kaufen und ja heilig drauf zu kommen, entfällt hier komplett. Sehr angenehm. So sollte Weihnachten sein, mehr stille Nacht, weniger Coca-Cola-Christmas-Truck. Wir haben beschlossen, uns nichts zu schenken, die Reise ist ein Geschenk, das groß genug ist. Wir werden uns einen gemütlichen Abend machen, an unsere Lieben daheim denken, was leckeres essen und eine Flasche Wein verdrücken. Stille Nacht eben.

Christoph



Verfasst von: susiundchristoph | 11. Dezember 2010

La Paz – Titicacasee – La Paz

Der nördlichste Punkt unserer Südamerikareise ist erreicht, jetzt geht es wieder Richtung Süden.

Vorige Woche Mittwoch sind wir in La Paz angekommen. Die Fahrt hierher war wunderbar. Wir hatten einen edlen Bus, wie die in Argentinien, es war warm drinnen, was bei Nachtfahrten in Bolivien alles andere als selbstverständlich ist, die auf die Schnelle gekaufte hässliche Billigwolldecke haben wir fast gar nicht gebraucht. Wir haben die meiste Zeit geschlafen, die Straße war ebenfalls gut.

In La Paz haben wir eine Nacht im Hostal Provenzal gewohnt: halbwegs günstig, unpersönlich, sehr einfach. Vor dem Haus läuft eine kleine Straße, die vollgestopft ist mit Bussen, randvoll. So richtig gefallen hatte es uns von Anfang an nicht. Die Entscheidung am nächsten Morgen zu wechseln fiel dann, als wir abends aus einer Kneipe zurück kamen und eine Nachttischlampe fehlte. An sich ja kein Problem, aber dass jemand in unserem Zimmer war, ohne dass wir davon wussten und dass die Dame an der Rezeption das vollkommen normal fand, war dann doch nicht unser Ding. Also am nächsten Morgen mal wieder Zimmerwechsel. Wir haben eine schöne Unterkunft für den selben Preis gefunden, aber mit viel hübscheren Zimmern, mehr Atmosphäre, alles deutlich netter und in einer ruhigen Straße. Je länger wir durch Südamerika reisen, umso mehr sind wir von unseren Reiseführern vom Footprint-Verlag überzeugt. Bisher haben wir damit immer gut gelegen, auch wenn wir uns natürlich nicht nur danach richten, aber die Empfehlungen daraus sind in der Regel immer gut. Mir ist schleierhaft, warum fast alle Reisenden mit Lonely Planet unterwegs sind, immer wieder fallen uns deren Bücher negativ auf.

Unser Hotel liegt in der Calle Linares, mitten im „Hexenmarkt“ von La Paz. Hier gibt es Stände, an denen Frauen alles mögliche Zeug verkaufen, das man benötigt, um sich Glück zu verschaffen, Krankheiten abzuwehren, Feinden die Pest an den Hals zu wünschen. Es werden Amulette angeboten, Kräuter verkauft und oft kann man Lamaföten erstehen. Die sind getrocknet und werden beim Hausbau verwendet. Man gräbt sie an den Ecken des neuen Hauses ein und sorgt damit dafür, dass böse Geister dem Heim fern bleiben. Es ist alles ziemlich skurril, was angeboten wird. Ansonsten ist die Gegend, in der wir wohnen, ein einziger großer Markt und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in den totalen Kaufrausch verfallen. In unserer Straße und in der Hauptstraße des Viertels um die Ecke finden sich Bekleidungsläden, es gibt Alpakasachen ohne Ende, von billiger Massenware bis zu edlen Boutiquen mit nobler Einrichtung, feinen Designs und Kreditkartenannahme. Eine Parallelstraße den Berg hoch finden sich dann die Outdoorläden. Ich bin bald verrückt geworden bei den Preisen. Normalerweise müsste man sich dort einen großen Rucksack kaufen, den voll machen mit Schuhen, Jacken, Pullis und was es sonst noch alles gibt und nach hause schicken. Ich hatte eine Mammut-Expeditionsjacke in den Fingern, ein richtig edles Teil, Kostenpunkt rund 200 Euro, das ist geschenkt, bei uns legt man für so etwas Minimum 500 Euros auf den Tisch. Susi hat sich einen Fleecepulli fuer 25 Euro gekauft, ich bin standhaft geblieben, hab ja schon alles und rumschleppen will ich das Zeug auch nicht. Eine andere Straße hat ausschließlich Geschäfte in denen es Fußballtrikots gibt, da will ich in den nächsten Tagen mal vorstellig werden.


In der Innenstadt haben wir einen Levi’s Store gefunden. Jeans für 35-40 Euro. Susi suchte eine neue Hose, die hat sie dort gefunden und als wir eigentlich fertig waren, fiel mir ein, dass ich zuhause mir auf jeden Fall auch eine neue Jeans kaufen muss. Ich habe zwei gekauft, eine davon wird ungetragen nach Deutschland geschickt, selbst wenn ich das Porto mit einrechne, ist das immer noch billig.

Aber auch vom billigen Einkaufen abgesehen, gefällt uns La Paz ziemlich gut. Es ist gerammelt voll, überall, es stinkt zum Himmel, weil sich hier Busse und Minibusse Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen schieben, es ist laut und nicht besonders schön. Aber irgendwie ist es ziemlich cool. Es gibt ganz tolle Kneipen und Restaurants, die man auch bei uns finden könnte und sich dann sagen würde, klasse Laden. Es gibt einfachste Spelunken, in denen man ausschließlich unter Einheimischen zu Mittag essen kann, für fast gar kein Geld. Quasi jeden Tag haben wir eine Demonstration mitbekommen oder zumindest von irgendwo gehört. Es werden dann engagierte Reden gehalten, wie bei uns auch, und zur Unterstützung des gesagten ein paar Kracher los gelassen, es knallt ständig irgendwo. Wir sind an einer Militärparade vorbei gekommen, es sah für uns so aus, als wäre es eine Vereidigung. Die Schlussworte: „Patria, Socialismo o Muerte“ – „Vaterland, Sozialismus oder Tod“. „Patria o Muerte“ war der alte Kampfspruch der kubanischen Revolutionäre. Überhaupt Che, ihn sieht man hier auf unzähligen T-Shirts, in El Alto steht eine große Statue von ihm. Einer unserer Favoriten auf dem T-Shirt-Markt ist Homer Simpson mit Bart und Mütze des Che und der Aufschrift „Che Homero“. Wenn nicht Herr Guevara auf den Hauswänden pappt, dann Evo Morales. Er ist der erste indigene Präsident Südamerikas, stammt aus einer Bauernfamilie, hat sich seine Bildung nach Feierabend verschafft, war Coca-Bauer und ist einer der linken Staatschefs in Lateinamerika, die dafür sorgen, dass sich ihre Länder immer mehr von den USA emanzipieren und ihre eigenen Wege gehen, nicht immer komplett erfolgreich, oft umstritten, aber unter dem Strich doch mehr auf die eigene Bevölkerung bedacht als die Neoliberalen vorher. Die nackten Zahlen geben Politikern wie Lula in Brasilien, Kirchner in Argentinien und Morales in Bolivien Recht, zumindest wenn man sich den Punkt der Armutsbekämpfung ansieht.


Vor zehn Jahren war ich in Peru noch geschockt über die Slums von Lima und die absolute Armut, die man dort sehen konnte, heute sehe ich, dass Bolivien, dass von deutlich niedrigerem Level als Peru kommt, weiter ist. Man sieht keine Wellblechhütten um die Städte mehr. Es gibt natürlich noch eine bittere Armut, vor allem auf dem Land, aber die Entwicklung geht in eine Richtung, die Hoffnung macht.

La Paz hat angenehme Ecken zu bieten. Das Viertel, in dem wir wohnen haben wir ja schon beschrieben, hier ist der Tourismus zuhause und es hat eine ruhige, entspannte Atmosphäre. In der Innenstadt gibt es einen großen Platz, an dem die Kathedrale steht, der Präsidentenpalast direkt daneben. Viele schöne, alte Kolonialgebäude in der Nähe. Wir waren in einem Viertel, das deutlich edler ist, es finden sich dort viele Botschaften und ebenfalls sehr viele schöne, alte Häuser. Auch der Blick auf die Stadt ist immer wieder beeindruckend, sie liegt in einem Kessel und rundherum sieht man hohe Berge, teilweise deutlich über 6.000 Meter. An den Hängen zieht sich die Stadt dann bis auf den Altiplano herauf, die große Hochebene, die von Nordargentinien über Bolivien bis Peru reicht, umgeben von zwei Andenketten. La Paz selbst liegt auf rund 3.700 Meter Höhe, wir müssen ganz schön schnaufen, wenn wir den Berg hoch laufen und irgendwie scheint es immer aufwärts zu gehen. Aber mittlerweile haben wir uns schon ganz gut akklimatisiert.


Wenn man aus dem Kessel heraus fährt, liegt oben El Alto, bis in die späten neunziger Jahre, die am schnellsten wachsende Stadt Lateinamerikas, seit rund zwanzig Jahren eine eigene Stadt und nicht mehr Stadtteil von La Paz, heute die zweitgrößte Stadt des Landes nach Santa Cruz. Auch in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Bevölkerungszahl fast verdoppelt. Es wohnen dort vermutlich rund eine Million Menschen, fast ausschließlich indigener Abstammung. El Alto ist eine der ärmsten Städte der Welt, man kann es auch als großes Elendsviertel von La Paz betrachten. Wir sind drei mal dort durch gekommen, man sieht einen komplett einheitlichen Baustil aus Ziegelbauten, keinerlei Putz und Farbe an den Wänden, alles wurde möglichst schnell und möglichst billig gebaut. Es sind sehr viele Leute auf den Straßen und es geht sehr geschäftig zu. Jeder macht irgendwas, verkauft, belädt, trägt etwas herum, ein großes Gewusel. Mir hat sich ein Bild eingeprägt, als wir an einer Metallschmiede vorbei kamen, keine Ahnung, was die dort genau machten. Jedenfalls wurden Metallstangen gebogen und mit Hämmern bearbeitet. Draußen, im Staub. Die Arbeitskräfte: Kinder zwischen vielleicht acht und zwölf Jahren.


Dort sind wir auf dem Weg zum und vom Titicacasee durchgekommen. Wir waren in dem Städtchen Copacabana. Die Unterkunft war diesmal etwas besonderes. Martin, ein Bochumer Bildhauer, hat sich hier seinen Platz geschaffen. Er sagte, dass er so etwas in Europa aufgrund der vielen Auflagen niemals hätte bauen können, in Bolivien geht das alles problemlos. Er ist seit sechzehn Jahren in Copacabana und seine beiden Anlagen sind wunderschön. Alles sehr künstlerisch, etwas was man so nur selten sieht. „La Cupula“, sein erstes Haus, ist vom Stil her orientalisch, zwei Häuser mit Kuppeln oben drauf, hier waren wir abgestiegen. „Las Olas“ ist gleich daneben, mehr eine Anlage. Hier sind sechs frei stehende Ateliers, die alle sehr unterschiedlich und phantasievoll gestaltet sind, alle mit einem wunderbaren Blick auf den See ausgestattet und großen Fenstern. Leider etwas über unserer Preisklasse, wenn auch keinesfalls teuer.


Copacabana selbst bietet nicht so sehr viel, wir hatten trotzdem unseren Spaß dort. Samstags und Sonntags werden vor der ziemlich großen Basilika Autos gesegnet. Es stehen eine Menge Fahrzeuge vor der Kirche und dann kommen zwei Mönche mit Wassereimern. Die Motorräume werden bespritzt, das Wageninnere, der Kofferraum, die Fahrer, Beifahrer, alle die dazu gehören. Natürlich werden danach fleißig Kracher gezündet, was oft dazu führt, dass die Alarmanlagen der Autos los gehen. Eine witzige, etwas schräge Veranstaltung. Außerdem war an dem Wochenende, wo wir dort waren, eine Art Preistanzen. Folkloregruppen aus der Gegend tanzten vor einer Jury. Ebenfalls lustig und bunt. Wir wurden auch aufgegriffen und mussten mitmachen, haben uns sicherlich reichlich deppert angestellt und waren nachher ziemlich außer Puste wegen der Höhe und dünnen Luft. Der See an sich bot nicht so viel. Die ganzen gesegneten Autofahrer trafen sich am Ufer und haben sich ordentlich betrunken. War ja jetzt kein Problem mehr, konnte ja so frisch beschützt nichts mehr passieren.


Am Sonntag fand gleich neben unserem Zimmer ein Fest statt. Um die Hand der Tochter des Nachbarn wurde angehalten, Grund für ein großes Fest mit Musikern, viel Bier und nichts zu essen. Dementsprechend fiel das Ganze dann auch aus, kurz und schmerzhaft. Es waren einige, die nach zwei, drei Stunden nicht mehr gerade laufen konnten. Interessant auch der Ablauf, es kamen alle auf einen Schlag und wie auf Kommando gingen dann auch alle wieder gemeinsam. Ganz anders als bei uns, wo die Leute zwar alle mehr oder weniger zur gleichen Zeit kommen, aber höchst unterschiedlich lange bleiben.


Eigentlich wollten wir ja für ein paar Tage auf die Isla del Sol, aber wegen eher schlechtem Wetter haben wir das abgeblasen und sind nach vier Tagen Copacabana wieder zurück nach La Paz. Hier werden wir gleichHeidi und Mirco aus Andorf, bei Dietenhofen, bei Ansbach, bei Fürth treffen. Sie hatten wir am Titicacasee kennen gelernt, die ersten Mittelfranken, die wir auf unserer Reise getroffen haben, wenn man von Conny und Peter absieht. Mit ihnen zusammen wollen wir Montag nach Oruro und von dort weiter nach Uyuni fahren. Dort gibt es den großen Salzsee zu sehen und einige quietschbunte Lagunen. Wir werden eine mehrtägige Tour über den Salar und zu den Lagunen buchen und wollen am Ende des Trips in Chile, in San Pedro de Atacama ankommen. Von dort geht es dann ziemlich lange immer Richtung Süden, quasi bis zum Ende der Welt, aber das habe ich ja eingangs schon erwähnt.

Christoph

Verfasst von: susiundchristoph | 30. November 2010

Heimflug gebucht

Auch wenn wir noch knapp drei Monate Zeit haben, wir müssen uns mit dem Thema Rückreise befassen, was weh tut und schwer fällt, aber es hilft ja nichts. Wir haben noch viel vor, aber die Zeit läuft und mit dem Buchen des Rückflugs beginnt auch schon die Zeit der Gedanken, wie es nach der Reise wieder weiter gehen soll. Sicher ist auf jeden Fall, wie wir wieder zurück nach Nürnberg kommen werden.

Wir haben uns nicht für die billigste Variante entschieden, sondern für eine, die uns einen langsamen Umstieg von Südamerika nach Europa ermöglicht und für eine Lösung, die allen unseren Lieben in Deutschland die Möglichkeit gibt, uns wieder schön in Empfang zu nehmen. Hatten wir bei der Abreise noch einen Kasten Bier an den eiskalten Nürnberger Busbahnhof gestellt und mit einigen Freunden einen wunderbaren Abschied gefeiert, würden wir uns jetzt freuen, wenn Ihr uns am Flughafen Nürnberg mit ein oder zwei Flaschen Meister oder Lindenbräu wieder in Franken aufnehmt. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit, oder eben auch nicht…

Wir werden am 26.02. in Ushuaia, Feuerland, ins Flugzeug nach Buenos Aires steigen. Dort übernachten wir ein Mal und fliegen am nächsten Tag weiter nach Sao Paulo, Brasilien. Hier ist wieder eine Nacht eingeplant, denn am 28.02. geht es nach Lissabon, Portugal, und wir kommen dort am 01.03.an. Hier können wir etwas Rast machen, uns wieder an Europa gewöhnen, denn erst am 05.03. fliegen wir dann über Frankfurt nach Nürnberg. Und für das Empfangskomitee – wir hoffen, es wird eins geben, vielleicht seid Ihr ja auch froh, uns los gewesen zu sein – stünden wir dann um 18:10 Uhr vermutlich etwas geschockt, vielleicht verändert, eventuell orientierungslos aber ganz sicher froh, unsere Freunde wieder zu sehen für Feierlichkeiten jeder Art zur Verfügung.

Dann wird der Stress beginnen. Wir werden für das Wochenende irgendwo unterkommen müssen, haben da auch schon Ideen, aber die klären wir direkt per Mail ab. Und Montag wird die Arbeit los gehen: Zum Arbeitsamt, uns wieder arbeitslos melden, die Krankenversicherung wieder aktivieren und, ganz wichtig, ganz schnell, eine Wohnung suchen. Unsere Idee ist derzeit, nach dem Wochenende in ein Apartmenthotel oder etwas ähnliches zu ziehen, denn Gäste sind ja bekanntlich wie frischer Fisch: Nach drei Tagen fangen sie an, zu stinken. Im Februar, oder vielleicht auch schon Ende Januar, wollen wir einen Makler beauftragen, für uns schon mal Wohnungen zu suchen. Wir werden unsere Wünsche und Kriterien zusammenstellen und hoffen, dann auch gleich schon die eine oder andere Unterkunft ansehen zu können. Es wird wieder etwas Glück gefragt sein, aber bisher hatten wir das ja auch und warum sollte es bei der Rückkehr auf einmal nicht mehr mit uns sein?

Tja, da sitzen wir in Bolivien, haben noch etliche tausend Kilometer Landweg bis Feuerland vor uns, noch knapp drei Monate Zeit, hatten vorgestern den ersten Advent bei rund 30-35 Grad und machen uns Gedanken über die Rückreise. Aber es hilft ja nichts.

Heute Abend fahren wir mit dem Nachtbus nach La Paz, nach zehn Tagen in Sucre, in einem wunderbaren Guesthouse bei einer französisch-schweizer Familie. Die Stadt hat uns richtig gut gefallen, nun geht es wieder weiter. Wir waren die letzten Tage etwas kränklich, nichts ernstes, Unwohlsein, leicht grippiges Gefühl, den Eindruck als wenn es im Magen-Darm-Bereich rumpelt und pumpelt. Bei mir ging es vorgestern Abend los, so dass ich gestern den Tag ganz bewusst mehrheitlich im Bett verbracht habe. Heute ist wieder alles in Ordnung, dafür beginnt es jetzt bei Susi. Hoffentlich ist es bei ihr das gleiche, dann ist es nicht so schlimm. Bolivien holt sich seine Opfer, fast alle Reisenden klagen darüber, dass sie mehr oder weniger krank geworden sind. Meist Magen-Darm-Geschichten, eigentlich nie etwas schwer wiegendes. Es ist halt ein sehr armes Land, die sanitären Voraussetzungen sind alles andere als optimal, die Kühlung von Lebensmitteln funktioniert nicht so, wie sie sollte, das Bewusstsein und vor allem das Geld für eine Infrastruktur und Hygiene wie in Europa ist einfach nicht vorhanden. Wir sehen viel Armut, atmen von unzähligen Kleinbussen in der Stadt dunkelblaugraue Dieselwolken ein, und gerade außerhalb der Innenstadt, wo weniger Touristen hin kommen, hat Sucre ein ernsthaftes Müllproblem. Aber trotzdem gefällt uns das Land bisher sehr gut, mal sehen, wie es in La Paz sein wird.

Das soll es erst mal gewesen sein, nun plant mal schön das Fest. Wir freuen uns schon. Die richtige Ankunftsparty findet dann irgendwann in unserer neuen Wohnung statt.

Christoph

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